Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 66

Pisangfresser, Musophagidae, in der Körperform dem Kuckuck ähnelnde Vögel, aber dadurch unterschieden, daß sie nicht eigentliche Paarzeher sind (zwei Zehen nach vorn, zwei nach hinten gerichtet), sondern daß die Außenzehe sog. Wendezehe ist, sowohl nach vorn, wie nach außen oder schräg nach hinten gerichtet werden kann. Der verhältnismäßig kurze und hohe Schnabel ist an den Schneiden sägeartig ausgeschnitten. Die P. sind ausschließlich auf Afrika beschränkt. Sie bewohnen vorzugsweise den Hochwald, einzelne Arten aber auch Baumpflanzungen und freieres Gelände, streifen in kleinen Gesellschaften durch die Baumkronen und nähren sich von Insekten und Früchten, Beeren und Steinfrüchten, die sie mit dem Kern verschlucken. Ihre laute Stimme gleicht oft dem Lachen eines Menschen, dem Gackern der Hühner, dem Bellen der Hunde oder dem Miauen der Katzen. Der Flug ist leicht und schwebend. Sie bauen freistehende Nester im Baumgezweig und legen reinweiße oder blaßblaue Eier. Man unterscheidet nach der Form des Schnabels mehrere Gattungen. - Der Riesenturako, einziger Vertreter der Gattung Corythaeola, C. cristata, hat Fasanengröße. Das Gefieder ist in der Hauptsache graublau, die Haube blauschwarz. Er bewohnt das westafrikanische Waldgebiet ostwärts bis zum Victoria-Njansa und zum Tanganjika. - Die Gattung Musophaga, Bananenfresser, hat einen seitlich aufgetriebenen, an der Firste hinten zu einer Stirnplatte erweiterten orangeroten Schnabel. Das Gefieder ist schwarzblau, Oberkopf rot, die Schwingen sind zum Teil purpurrot. Von den beiden Arten bewohnt die eine, M. violacea, Oberguinea von Senegambien bis Kamerun, die andere, M. rossae, Unterguinea, ostwärts bis zum Victoria- und Tanganjikasee. - Die Gattung Chizaerhis, Lärmvögel, hat etwas seitlich zusammengedrückten Schnabel mit abgerundeter Firste; die schlitzförmigen Nasenlöcher liegen nahe der Firste. Das Gefieder ist in der Hauptsache grau oder bräunlich. In Togo und im Hinterlande von Kamerun lebt Ch. africana, von braunem Gefieder mit weißem Unterkörper, in Deutsch-Ostafrika Ch. leucogastra, grau mit weißem Unterkörper. -Die Gattung Turacus, Turakos, hat stark seitlich zusammengedrückten Schnabel mit schmaler Firste; die Nasenlöcher liegen an der Schnabelwurzel und sind von vorwärts gerichteten starren Federn überdeckt. Die Färbung ist vorherrschend grün mit teilweise purpurroten Schwingen. Als Vertreter ist für Westafrika T. persa mit breiter zerschlissener Haube, für Ostaffika T. reichenowi mit spitzer, aus schmalen, am Ende weißgesäumten Federn gebildeter. Haube zu nennen.

Reichenow.