Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 64 f.

Piassaven, die sehr elastischen, fischbeinartigen, meist braunen Festigkeitsstränge aus den verwitterten Blattscheiden verschiedener Palmen. In der Regel werden dieselben in diesem Zustande gesammelt, seltener aus frischen Scheiden durch Rotten gewonnen. Die ersten P. kamen als Packmaterial nach Liverpool und wurden als sehr geeignet für die Herstellung von groben Bürsten erkannt. Heute ist P. ein unentbehrlicher Rohstoff für die Fabrikation von Besen und Walzenbürsten für Straßenreinigung u. a. Es gibt besondere Fabriken, die sich allein mit der Aufbereitung von P. befassen. Die brasilianische P. kommt in zwei Sorten in den Handel, die Bahia - P. von Attalea funifera, die Para - P. von Leopoldinia piassaba. Erstere ist härter, gröber und dunkler als die letztere. In Ostindien liefert die Palmyrapalme Borassus flabellifer eine feine, vielfach auch Bassine genannte P. und auf Madagaskar Dictyosperma fibrosum ein sehr zartes, sogar für Flecht- und Spinnzwecke geeignetes Material. Die größte Menge der P. kommt heute aber von der Westküste Afrikas, vor allem aus Liberia, und stammt von Raphiapalmen (s. Palmen). Diese P. ist häufig mit weißen, brüchigen Strängen durchsetzt und nur in brauner, gleichmäßig elastischer Ware von besserer Qualität. Nach Hamburg kamen 1912 ungefähr 8 000 t im Werte von 3 1/2 Mill. M. Davon kamen etwa 7 500 t aus Westafrika und 2 000 t aus Britisch - Ostindien. Zu den P. rechnet man auch die Kitoolfaser von der ostindischen Palme Caryota urens und die Gomutifaser von Arenga saccharifera aus Hinterindien und dem Malaiischen Archipel. Beide, liefern relativ dünne, meist schwarze und sehr elastische Fasern, die wie Roßhaare Verwendung finden können. Sie dienen heute vielfach als Geflecht zum Bespannen von Polierwalzen.

Voigt.