Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 52

Pferdesterbe (Südafrikanische Pferdesterbe, Paardenziekte der Buren), eine in Süd- und Deutsch-Südwestafrika, in Ostafrika und Abesinien vorkommende, durch einen noch unbekannten Erreger verursachte Infektionskrankheit der Einhufer. Sie tritt in Süd- und Deutsch -Südwestafrika während der Regenperiode, Januar bis März, namentlich in tiefer gelegenen, feuchten Gegenden alljährlich auf und verursacht, besonders in regenreichen Jahren, große Verluste; in ausgesprochenen Sterbebezirken sind die regelmäßigen Verluste so groß, daß die Pferdehaltung fast ausgeschlossen ist. Das Überstehen der Krankheit erzeugt Immunität; solche immunen Pferde werden als "gesalzen" bezeichnet. Wahrscheinlich wird die Übertragung der Pferdesterbe durch stechende, bei Nacht schwärmende Insekten vermittelt; die Ansteckung erfolgt nur in der Zeit nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang. Besonders empfänglich für die P. ist das Pferd, weniger empfänglich das Maultier und der Esel. Die Krankheit äußert sich bei den Pferden in zwei Formen: Erstens als akute Erkrankung ("Dunkopziekte") mit Fieber und Müdigkeit trotz guter Freßlust. In einem kleinen Teile der Fälle tritt im Laufe der zweiten Woche unter Nachlassen des Fiebers Besserung und alsbald Heilung ein; in der Regel sterben die Tiere unter den Erscheinungen des sog. Lungenödems, wobei sie sehr angestrengt atmen und aus Maul und Nase unter krampfhaften Hustenstößen viel gelblichweißen Schaum entleeren. In seltenen Fällen kann der Tod schon nach 4 - 6 Tagen unter plötzlicher Verschlimmerung des Zustandes und unter den Erscheinungen starker Atemnot eintreten. In der mehr schleichend verlaufenden Form tritt auf der Höhe des Fiebers oder später neben auffälliger Mattigkeit eine Anschwellung der Augengraben ein, so daß die Augäpfel vorgedrängt werden. Gleichzeitig können Anschwellungen am Vorkopfe ("Dikkopziekte"), am Halse, an der Brust und an der Zunge und am Bauche, am Rücken und an den Gliedmaßen auftreten. Bei der subakuten Erkrankung erfolgt in der Mehrzahl der Fälle allmählich die Heilung. Der Umstand, daß das Überstehen der Krankheit Immunität hinterläßt, hat zu Versuchen Veranlassung gegeben, die Krankheit durch Impfung zu bekämpfen. Die Impfung ist auch bei Maultieren von gutem Erfolge begleitet. Theiler stellt in Onderstepoort einen Impfstoff zur Impfung von Maultieren her, der den größten Teil der geimpften Tiere gegen die Erkrankung an P. schützt. Dagegen sind bis jetzt die Versuche, eine sichere Impfung zum Schutze der Pferde gegen die P. zu finden, noch nicht von Erfolg gekrönt gewesen. In Deutsch - Südwestafrika wird zum Schutze der Einhufer, namentlich der Pferde, gegen die Sterbe in der Sterbeperiode die Vorsicht gebraucht, daß die Tiere auf sog. Sterbeplätze gebracht werden; das sind hochgelegene (stechmückenfreie) Plätze, auf denen erfahrungsgemäß die Sterbe nur selten auftritt. Ferner kann man Pferde vor der Erkrankung dadurch schützen, daß man sie während der Nacht in Ställe mit insektensicheren Eingängen und Fenstern verbringt. In Südafrika hat man die Beobachtung gemacht, daß die P. in Gegenden, in denen sie früher häufig auftrat, mit der fortschreitenden Kultivierung des Bodens verschwunden ist; es scheint, als ob damit die Bedingungen für die Vermehrung der Stechmücken, die die Übertragung der Kranheit besorgen, beseitigt werden.

v. Ostertag.