Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 36

Perlhühner, Gruppe, der Hühnervögel, zu den Fasanen in weiterem Sinne gehörend, durch ganz oder teilweise nackten Kopf und oberen Teil des Halses, herabhängenden kurzen, keilförmigen Schwanz und ein auf schwarzem Grunde mit rundlichen weißen Flecken bedecktes Gefieder ausgezeichnet. Ihre Verbreitung ist auf Afrika und Madagaskar beschränkt; hier sind sie wohl erst von Afrika her eingewandert. Eine Art, die von altersher in Europa domestiziert wurde, ist nach den westindischen Inseln gebracht worden und dort verwildert. Als Aufenthaltsorte lieben sie gemischtes Gelände, wo Wald mit freien Grasflächen abwechselt, bewohnen aber ebensowohl Ebenen wie Gebirge. Sie halten sich in Völkern zusammen, laufen ungemein schnell, Fliegen dagegen schwerfällig. Zur Ruhe bäumen sie auf. Gegen Abend ziehen sie zur bestimmten Zeit zur Tränke und benutzen dabei immer dieselben Wechsel. Sie nisten auf der Erde. Ihre Eier haben rundliche Form und sind gelbbräunlich mit tiefen Poren. Ihre Stimme besteht in einem eigentümlichen Schnarren und Gackern. - Man unterscheidet drei Gattungen: die Helmperlhühner, Numida, haben ganz nackten unbefiederten Kopf, einen fleischigen Lappen jederseits am Schnabelwinkel und ein mehr oder minder hohes Horn auf dem Scheitel. Kopf und Lappen sind bald grau oder bläulich, bald rot gefärbt. Nach der Form des Hornes und der Schnabellappen werden etwa 18 Arten unterschieden. Von diesen gehört nur eine, die auch domestizierte N. meleagris, Westafrika an; Ostafrika beherbergt die meisten. In Deutsch - Ostafrika ist die durch sehr hohes Horn ausgezeichnete N. reichenowi die häufigste; für Südwestafrika ist N. papillosa bezeichnend. - Eine zweite Gattung, Acryllium, die nur durch eine Art, das in Ostafrika vom Somalilande bis zum Pangani lebende Geierperlhuhn, A. vulturinum, vertreten ist, hat ebenfalls Kopf und oberen Teil des Halses nackt, bis auf eine Binde samtartiger, rotbrauner Befiederung im Genick, aber keine Schnabellappen; die Federn des unteren Halses sind bandförmig, schwarz mit weißem lanzettförmigen Schaftstreif und kobaltblauen Säumen. - Die dritte Gattung, Haubenperlhühner (Guttera), ist durch eine Haube langer, bald krauser, bald schlichter Federn auf dem Kopfe ausgezeichnet. Schnabellappen sind vorhanden oder fehlen. Von den acht bekannten Arten kommen drei in Westafrika, drei in Ostafrika, eine in Zentralafrika und eine im Südosten des Erdteils vor: G. cristata in Togo, G. plumifera in Kamerun, G. pucherani in Deutsch-Ostafrika.

Reichenow.