Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 31

Pendelexpedition in Deutsch - Ostatrika. Im Anschluß an die deutsch - englische Grenzexpedition zur Festlegung der Grenze vom Njassa- bis zum Tanganjikasee (1898) führte Dr. E. Kohlschütter (s.d.) in Gemeinschaft mit Oberlt. Glauning (s.d.) im Auftrag der K. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen in den Jahren 1899/00 eine Sonderexpedition von Langenburg über Utengule und die Rukwasenke zum Tanganjika, von da über Tabora, die Wembäreniederung, den Njarasagraben zum großen ostafrikanischen Graben und von da durch das Kilimandscharogebiet und Usambara nach Pangani zur Küste. Der Hauptzweck des Unternehmens war, mittels Pendelbeobachtungen Schweremessungen anzustellen und durch die hierbei ermittelten Veränderungen oder Störungen der Schwerkraft eine Vorstellung über den Aufbau und die Dichtigkeitsverhältnisse der Erdrinde in dem durchmessenen Teil Deutsch - Ostaftikas zu gewinnen. Da der Reiseweg der Expedition so gewählt war, daß er die starken Bruchlinien und Gräben, die das Schutzgebiet von Nord nach Süd durchziehen, querte, so mußten sich die mit den Einbrüchen voraussichtlich verbundenen Anomalien der Schwerkraft aus den auf den Grabenrändern und in den Grabensohlen angestellten Schweremessungen ermitteln lassen. Die Expedition hat außerdem vorzügliche kartographische Aufnahmen, sehr scharfe astronomische Ortsbestimmungen, Höhenmessungen und magnetische Beobachtungen aus den bereisten Gebieten erbracht.

Literatur: Dr. E. Kohlschütter, Die kartographischen und geophysikalischen Arbeiten der Pendelexpedition... (Verhandlungen des XIII. Deutschen Geographentages zu Breslau. Berl., D. Reimer, 1901. - Dr. E. Kohlschütter, Ergebnisse der Ostafikanischen Pendel -Expedition der K. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen in den Jahren 1899/1900. AbhandIgn. d. Kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, Mathem.- phys. Klasse, Neue Folge, V. 1. 1907 u. VIII. 5. 1912.

Danckelman.