Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 24

Pare, das nördlichste der zum Ostafrikanischen Randgebirge (s.d.) gehörigen Gebirge Deutsch -Ostafrikas. Es ist ein sehr schmaler, 130 km von NNW nach SSO sich erstreckender Horst. Der Westrand ist trotz einiger vorgelagerter kleiner Schollen ziemlich einheitlich. Die Steppe, aus der sich P. meist sehr schroff erhebt, liegt, hier im S etwa 600, im N etwa 750 m ü. d. M. Die Abgrenzung nach O dagegen ist nicht sehr deutlich und auch noch wenig bekannt. Durch zwei ostwestliche tektonische Senken wird P. in Süd-, Mittel- und Nord- P. geteilt. Die nördliche von ihnen greift so tief ein, daß hier die Wasserscheide des Gebirges etwas vor seinen Westfuß hinabsteigt. Süd- P. ist so groß, wie die beiden andern Teile zusammen und soll in den Kuppen des Schengelewaldes 2332 m Mh. erreichen. Mittel- P. ist etwa 1600, Nord- P. 2000 m hoch. Des letzteren nördlichster Gau ist Ugueno. Die Gneisschichten, aus denen P. aufgebaut ist, Fallen fast überall flach, durchschnittlich unter 25° nach O ein. Das beeinflußt alle Formen. Die Wasserscheide rückt weit nach W, der O ist viel besser bewässert; die Vegetation ist dort kräftiger und die Besiedelung stärker. P. hat im allgemeinen merkwürdig wenig Regen. Daran mag die Lage im Regenschatten von Usambara (s.d.) schuld sein. Am regenärmsten ist der südliche Ostfuß; dort hat Kihuiro in 504 m Mh. 231 mm (vierjähr. Mittel, freilich wohl besonders regenarmer Jahre, aber einstweilen niedrigster, in Deutsch-Ostafrika gemessener Betrag), Friedenstal, obwohl schon in 1540 m Mh. nur 578 mm (fünfjähriges Mittel), Wuasu, das auf der Höhe (etwa 2000 m) liegt, gegen 700 (die drei Orte sind Stationen der Adventisten, s.d.). Nord-P. hat etwas bessere Lage, hier hat Schigatini, Station der Leipziger Missionsgesellschaft, auf halber Höhe des Osthangs 1479 mm Regen (vierjähr. Mittel). Trotzdem findet sich auf den Höhen des östlichen Süd - P. tropischer Höhenwald; sonst trägt der Kamm von P. Hochgebirgsbusch und Grasland. Der Osthang von P. wird in der Hauptsache vom und zum Mkomasi (s.d.) entwässert, nur ein kleiner Teil zum Djipesee, (s.d.). Die westwärts herabkommenden Bäche erreichen in der Trockenzeit kaum den Fuß des Gebirges. Die Zahl der Wapare (s.d.) wird auf 38000 geschätzt (wohl etwas hoch), was bei den 3600 qkm des Gebirgslandes der Dichte 10 - 11 entsprechen würde. Seit die Massaigefahr vorüber ist und die Usambarabahn am Westfuß von P. vorüberzieht, siedeln die W. sich auch dort stärker an. P. hat 7 Missionsstationen. Die Grenze zwischen den Bezirken Moschi und Willhelmstal schneidet Mittel-P.

Literatur: O. Baumann, Usambara usw., Berl.1891. - Hans Meyer, Ostafrikanische Gletscherfahrten; Berl. 1890. - Ders., Der Kilimandscharo, Berl. 1900.

Uhlig.