Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 12

Papaya oder Melonenbaum, Carica Papaya, ein in Südamerika und Westindien heimischer, heute in allen Tropen verbreiteter Obstbaum mit unverzweigtem Stamm, der etwa 5 m erreicht, und einer rosettenförmigen, einer Palme nicht unähnlichen Krone mit langgestielten, großen, stark gelappten Blättern. Es gibt männliche und weibliche Bäume; erstere mit stark verzweigten Blütenständen, letztere mit großen einzelstehenden Blüten in den Blattachseln. Bisweilen treten an den männlichen Bäumen auch weibliche Blüten auf und umgekehrt. Die Früchte sind je nach den Rassen verschieden, entweder eiförmig oder länglich melonenförmig und erreichen eine Länge von 30-40 cm bei einem Durchmesser von 10 bis 15 cm. Sie haben ein mehrere Zentimeter starkes, rosa oder gelblich gefärbtes Fruchtfleisch, sind innen hohl und enthalten in die innere Schicht des Fruchtfleisches eingebettet eine große Zahl kleiner, nicht ganz erbsengroßer, olivfarbener Samen. Es gibt aber auch samenlose Sorten. Das Fruchtfleisch hat einen angenehmen, erfrischenden Geschmack und dient allgemein als Nachtisch. Unreif werden die Früchte auch als Gemüse zubereitet. Die Samen werden ebenfalls von manchen Leuten gern genossen. Die ganze Pflanze führt Milchsaft, der ein Verdauung beförderndes, pepsinähnliches Ferment, das Papain, enthält. Dieser Stoff wird in manchen Gegenden, z. B. in Westindien für medizinische Zwecke gewonnen und erzielt in guter Qualität recht annehmbare Preise. Die Blätter werden, ebenso wie der Saft der Früchte, vielfach zum Einwickeln oder Einreiben von rohem Fleisch benutzt, um dieses weicher und verdaulicher zu machen. Der Baum wird in der Regel aus den leicht keimenden Samen im Saatbeete angezogen. Er gedeiht am besten im feuchten, tropischen Flachland, auf nährstoffreichem, lockerem Boden. Er trägt bereits nach einem Jahre fast das ganze Jahr hindurch Früchte und geht im 6. oder 7. Jahre ein. In geringem Umfange werden auch verwandte Arten als Obstbäume gezogen, so in Indien eine härtere Art, die auch in höheren Lagen aushält.

Literatur: H. F. Macmillan, A handbook of tropical gardening and planting. Colombo 1910, Cave & Co. -K. Sehrwald, Das Obst der Tropen, Bertin.

Voigt.