Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 688 f.

Ostafrikanischer Graben, Großer, ist ein Teil des Zuges von miteinander zusammenhängenden Gräben (s. Schollenland), die sich ununterbrochen von 36° n. Br. bis 1 1/2° oder gar 2 3/4° s. Br. über insgesamt etwa 4700 km erstrecken. Das Nordstück ist der meridional streichende syrische Graben, der über den Busen von Akaba mit dem Roten Meer in Verbindung steht, dem am weitläufigsten gebauten, von NNW nach SSO gerichteten Teil der großen Senke; mit dem östlichen Steilrand Abessiniens tritt die Westwand des Grabens in Ostafrika (s.d.) ein. Von der mittleren Küste Eritreas südwärts am Fuße Abessiniens entlang erstreckt sich eine versenkte, jungvulkanische Scholle, das Land Afar. Erst an ihrem Südende, an der SO-Ecke Abessiniens und in der südlichen Fortsetzung einiger ihrer tektonischen Linien sind Grabenstücke wieder deutlich ausgebildet. Hier kommt es mehr als sonst im Verlauf der Senke zur Bildung von Parallelgräben und Verzweigungen zwischen ihnen. Vom Südrand Abessiniens an bezeichnen wir den Graben, in dem zunächst der größte See dieses Gebietes, der Rudolfsee, nur 400 m ü. d. M. liegt, als G. O. G. Von hier bis zum Südende des Magad sind es gerade 1000 km. In seinem ziemlich geradlinigen Verlauf, entlang dem 36° Meridian durch Britisch-Ostafrika ist der G. O. G. ganz besonders eindrucksvoll gerade da ausgebildet, wo die hier 30 km breite Sohle im Naivasha-See mit 1870 m die größte Meereshöhe erreicht. Hier, wo die Grabenwände zu 800-1100 m relativer Höhe ansteigen, ist die Gegend, wo die Ugandabahn (s.d.) den G. O. G. kreuzt. Mit denselben deutlichen, sehr jugendlichen Formen reicht der G. O. G. bis zu 1 1/2° s. Br. Hier hört die einheitliche Ostwand auf; an ihre Stelle treten zunächst Staffelbrüche (s. Schollenland), die über 40 km von O nach W ungleichmäßig verteilt sind. Bald verlieren die einzelnen Stufen immer mehr an Höhe; aber eine von ihnen findet eine Fortsetzung in dem viel älteren Westrand der Matabatu- Scholle, ist zuletzt noch angedeutet in dem Westabfall der altkristallinen Matiom-Berge, ö. vom Südende des Magad und dem Gelei, unter 2 3/4° s. Br. Es ist verkehrt, zu sagen, daß die Zentralbahn (s.d.) den G. O. G. kreuzt (s. Dodoma). Die Westwand des G. O. G. dagegen hat eine gleichwertige Fortsetzung in der Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.) bis zu 6 1/2° s. Br. Hierüber hinaus scheint eine unmittelbare s. oder sw. Fortsetzung nicht zu bestehen. Denn so weit reicht der noch wenig bekannte Graben des Großen Ruaha (s.d.) sicher nicht. Immerhin aber liegt er und der mit ihm in einer Art Verbindung stehende Graben des Njassa (s.d.) etwa in derselben meridionalen Zone wie der G. O. G. Der Njassa andererseits steht über den Rukwa (s.d.) mit dem Zentralafrikanischen Graben (s.d.) in Verbindung. Südwärts geht die Richtung des Njassa in die der Küste des südlichen Ostafrika über, die nicht nur hier, sondern von den Drakensbergen bis zum Kap Guardafui im wesentlichen durch die an Brüchen erfolgte Versenkung des westlichen Indischen Ozeans (s. Deutsch-Ostafrika 2) bedingt ist. Im Mittelpunkt aller dieser Ostafrika umgebenden und durchziehenden Linien, mitten zwischen 36° n. und 31° s. Br. liegt der G. O. G.

Literatur: L. B. v. Höhnel, A. Rosiwal E. Toula und E. Suess, Beiträge zur geol. Kenntnis des östl. Afrika. Denkschr. Akad. Wiss. math.- natw. Klasse LVIII, Wien 1891. - E. Suess, Das Antlitz der Erde, bes. Bd. III/2, Wien 1909. - J. W. Gregory, The Great Rift Valley, Lond. 1896. - H. Brantwood Muff (richtiger Maufe), Reports relating to the Geology of the East Africa Protectorate, Colonial Reports, Lond. 1908. - C. Uhlig, Überblick über den Aufbau Ostafrikas längs der Uganda-Eisenbahn, Zentralbl. f. Mineral. usw. 1912.

Uhlig.