Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 683

Oranjefluß, der südliche Grenzfluß des südwestafrikanischen Schutzgebiets, auch kurzweg als der "Großfluß" bezeichnet. Der O., der im Osten Südafrikas durch den Zusammenfluß des eigentlichen Oranje und des Vaal gebildet wird, verdankt den Wasserreichtum, der ihn namentlich in der Regenzeit auszeichnet, lediglich den starken Niederschlägen im oberen, stellenweis alpinen Teile seines Einzugsgebiets. Das Tal des Unterlaufs ist tief in das umliegende Hochland eingesenkt und bildet mit seinen steilen Bergrändern ein starkes Verkehrshindernis zwischen der Kapkolonie und dem deutschen Schutzgebiet, dessen Grenze es auf rund 550 km bildet. Das Bett des Flusses ist hier ziemlich stark von Felsen durchsetzt, die in der langen Zeit des Niedrigwassers aus dem flachen Gerinne hervorblicken. In dieser Zeit ist der O. an vielen Stellen zu Fuß passierbar, da seine Wasserführung dann nur 10-30 cbm in der Sekunde beträgt. In der Regenzeit dagegen vermag er zu mehr als 10 m über den Niedrigwasserstand zu steigen. - Wie der Fluß trotz seines ständigen Fließens gar keine Bedeutung für den Verkehr hat, so ist auch seine Mündung wertlos, da sie durch Sandmassen versperrt ist. Auch kulturell ist sein Tal nicht so wichtig, wie man aus der Menge des von ihm zeitweilig geführten Wassers schließen könnte, da sein Seitengelände nur an wenigen Stellen eine größere Ausdehnung gewinnt. In diesem Teil seines Laufes durchzieht der O. die an Regen ärmste Landschaft des inneren Südafrika. Von Seitenflüssen führt auf deutschem Gebiet nur ein einziger dem Flusse von Zeit zu Zeit oberflächlich größere Wassermengen zu, der Große Fischfluß (s.d.), an dessen Mündung der letzte Teil des Unterlaufes seinen Anfang nimmt. Inwieweit das System des Nossob-Molopo für eine Wasserzufuhr in Frage kommt, ist noch nicht ermittelt.

Literatur: Th. Rehbock, Deutsch-Südwestafrika. Berl. 1898.

Dove.