Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 681

Opium, der eingedickte Milchsaft aus den nicht ganz reifen Früchten (Köpfen) des Schlaf- oder Gartenmohns, Papaver somniferum. Er ist eine sehr alte Arzneipflanze und wird heute in der europäischen und asiatischen Türkei, in Persien, Ostindien und China zur Gewinnung des Milchsaftes kultiviert. Die Sitte des O.rauchens ist erst in späterer Zeit entstanden und namentlich in China durch die Handelsbeziehungen der Ostindischen Compagnie allgemein verbreitet worden. Über die O.Einfuhr nach China entstanden mehrere Kriege, die an den Verhältnissen aber wenig geändert haben. Man schätzt den Verbrauch in China auf rund 18 Mill. kg, davon werden etwa 13 Mill. im Lande selbst produziert, 5 Mill. stammen aus Indien und etwa 300 000 kg aus der Türkei. Die indische Ernte beträgt etwa 6 Mill. kg, die türkische und persische zusammen 600000 kg. Außerdem gewinnen Niederländisch-Indien, Hinterindien, die Philippinen und Australien noch etwa 300000 kg. Zu Genußzwecken dienen jährlich etwa 19 Mill. kg, während als Heilmittel kaum 1/2 Mill. kg jährlich verbraucht wird. - Die Mohnpflanze stammt wahrscheinlich aus dem Mittelmeergebiet. Sie gedeiht am besten in mäßig warmen, verhältnismäßig regenarmen Gegenden und verlangt einen gut bearbeiteten, lockeren, nährstoffreichen Boden. In der gemäßigten Zone baut man sie in der Regel im Sommer, in den Subtropen dagegen im Winter. Die Aussaat erfolgt entweder breitwürfig oder als Drillsaat. Im ersten Falle dünnt man auf etwa 10 cm aus. Die Pflanzen müssen gut gehackt und in der ersten Zeit bei Regenmangel regelmäßig bewässert werden. Die Blüte tritt je nach der Gegend nach 3-6 Monaten ein. Die Pflanzen verblühen schnell und entwickeln in 8-20 Tagen schnittreife Kapseln. Diese werden in der Regel kurz vor Sonnenuntergang mit einem besonders dafür hergerichteten Messer meist horizontal eingeschnitten, ohne aber dabei die Kapselwand zu durchschneiden. Der ausfließende weiße Milchsaft trocknet bald zu einer zähen, sich mehr und mehr bräunenden Masse ein. Am darauffolgenden Tage werden dann die ausgetretenen Massen, ehe sie spröde werden, durch Abkratzen gesammelt. Durch Kneten und Schlagen werden die gesammelten Klumpen zu größeren Massen vereinigt und in verschiedene Formen gebracht. In Indien und Kleinasien macht man in der Regel etwa faustgroße, rundliche Klumpen und hüllt dieselben in Blütenblätter des Mohns ein. Das persische O. kommt meist in kegelförmigen, roten Tüten in den Handel. Der Gehalt an Morphin ist sehr verschieden. Ägyptische und ostindische Ware hat 2-8 %, persisches und Smyrna-O. dagegen 12-15%. Gute Handelsware soll 10% halten. Das O. liefert der heutigen Medizin eins der wirksamsten und unentbehrlichsten Heilmittel, das Morphium. - Hamburg importierte 1913 18740 kg im Werte von 617 900 M. Den größten Anteil an diesem Import hatte Persien. - Außerdem liefert der Mohn in seinen kleinen Samen ein geschätztes Speiseöl, das auch technische Verwendung findet (s. Fette und fette Öle).

Literatur: C. Hartwich, Das Opium als Genußmittel, Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft Zürich, 1898. - Dr. H. Thoms, Über Mohnbau und Opiumgewinnung. Berl. 1907 (Gebr. Bornträger). - Papaver somniferum in: Dictionary of the economic, products of India, Bd. VI, 17-105. London/Calcutta 1892. - K. Braun, Die Kultur der Mohnpflanze und die Opiumgewinnung in Deutsch-Ostafrika, Pflanzer 1905 Nr. 11/12. -Stange, Das Opium, seine Gewinnung und Verbreitung, Tropenpflanzer XIII, 1909, 208-214.

Voigt.