Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 675

Olduwai oder Olgedju (=der Fluß; Olduwai, Name eines Krautes in der Massaisprache), richtiger als Oldoway, ist ein periodischer Wasserlauf in Deutsch-Ostafrika, der von der Serengeti (s.d.) nach SO über eine durch mehrere Brüche entstandene Stufe herabkommend, 1300 m ü. d. M. in die Senke Olbalbal (O1 = der, balbal = See) eintritt. Die Senke liegt am äußeren NW-Fuß von Ngorongoro (s.d.), die Talmündung 16 km von der nächsten Stelle des Kraterrandes von Ngorongoro entfernt. Das O.-Tal ist in gegen 100 m mächtige Tuffe eingeschnitten, die basaltische Lava überlagern. Zum Teil sind die Tuffe in einem ehemaligen Süßwassersee abgelagert. In diesen Schichten wurden 1912 die Reste fossiler Säugetiere, im Jahre darauf u. a. auch ein Menschenskelett entdeckt. Die Funde sind wahrscheinlich pleistozänen Alters, würden also der Pluvialperiode Deutsch- Ostafrikas (s.d. 2) angehören. Auch das menschliche Skelett soll dies sehr beträchtliche Alter haben, obwohl es einer Rasse angehört, die sich von den heutigen Negervölkern kaum unterscheidet.

Literatur: H. Reck, Erste vorläufige Mitteilung über den Fund eines fossilen Menschenskeletts aus Zentralafrika, Sitzber. Ges. naturforsch. Freunde. Berl. 1914. - E. Hennig, Über einen fossilen Menschenfund in Deutsch-Ostafrika usw., Naturwiss. Wochenschrift 1914.

Uhlig.