Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 619

Narbenverzierung, bei Naturvölkern übliche Art des Körperschmucks, wobei man künstlich durch reizende Substanzen den Schluß der Wunde verzögert, so daß durch Wucherung des Gewebes geschwulstartige Narben, entstehen, die sich nur sehr langsam zurückbilden (Keloid). Die Abzeichen des Stammes, in kurzen Schnitten bestehend, werden in Westafrika auf Stirn oder Wange angebracht, den Rumpf, zumal der Frauen, verziert der Afrikaner auf gleiche Weise mit hergebrachten Ornamenten, die sich mitunter über die ganze Fläche von Brust und Bauch oder Rücken erstrecken. Jahrelang nach der Herstellung bilden diese Schmucknarben harte Vorsprünge der Haut; sie gleichen sich im höheren Alter aus, falls sie nicht nachgeschnitten werden, doch bleiben die N. auch ohne dies kenntlich. Das Verfahren ist auch in Melanesien bekannt und scheint bei ganz dunklen Völkern zum Teil die Tatauierung (s.d.) zu ersetzen, die nur bei helleren deutlich sichtbar ist.

Thilenius.