Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 605

Muskatnuß. Das echte Gewürz des Handels stammt allein von Myristica fragrans (syn. Myristica moschata). Von anderen Arten dieser Gattung stammen nur minderwertige Sorten. Der M.baum wird bis zu 20 m hoch und hat eine kegelförmige, dichte Krone. Die Zweige sind etagenförmig angeordnet, die Blätter lederartig, schmal elliptisch zugespitzt, oberhalb dunkelgrün und unterhalb graugrün. Es gibt männliche Bäume mit kleinen Blüten in ebenfalls kleinen, bis zu 20blütigen Blütenständen, und weibliche mit etwas größeren meist einzeln stehenden Blüten. Vereinzelt findet man auf männlichen Bäumen auch weibliche Blüten. Diese entwickeln sich zu den pflaumengroßen Früchten mit saftigem Fruchtfleisch, in das der Same, umgeben von einem unregelmäßig geschlitzten Samenmantel von roter Farbe eingebettet ist. Dieser Samenmantel liefert die sog. M.blüte oder Macis. Der von einer harten Samenschale eingeschlossene Kern ist die eigentliche M. Sie hat die bekannte, ovale Gestalt und zeigt auf dem Querschnitt ein gleichmäßiges, braun marmoriertes Gewebe. Die M. enthält neben den aromatischen Stoffen reichlich Fett, das als Muskatbutter medizinisch und technisch Verwendung findet. Die M. ist im malaiischen Archipel zuhause. Sie soll wild in Ceram, Banda, Ambon, Djilolo und West-Neuguinea vorkommen. Der Baum ist in bezug auf das Klima sehr empfindlich und infolgedessen auf die engeren Tropen beschränkt. Seine Ansprüche an den Boden werden verschieden beurteilt, sind aber wahrscheinlich nicht unerheblich. Er verlangt eine möglichst gleichmäßige Temperatur und reichlich Regen, nach holländischen Angaben etwa 5000 mm das Jahr. Übermäßige Luftfeuchtigkeit soll Erkrankungen befördern und ist deshalb nicht erwünscht. Eine kurze Trockenzeit bringt keinen merklichen Schaden. Die Anzucht der M. erfolgt fast allgemein aus Samen. Da es männliche und weibliche Bäume gibt und für eine normale Entwicklung ein männlicher Baum auf 10-20 weibliche gerechnet wird, so ist in der Regel ein Überschuß an männlichen Bäumen vorhanden. Es wäre daher die Anzucht aus Stecklingen zweckmäßiger, sie ist bis jetzt aber noch nicht mit Erfolg ausgeführt worden. Man behauptet, daß die Eingeborenen an der Form des Samens das Geschlecht eines Baumes bestimmen können, die ganze Frage ist aber bis heute noch nicht hinreichend geklärt. Die Aussaat findet in der Regel im Saatbeet statt, aus dem die jungen Pflanzen nach etwa einem Jahre an den endgültigen Standort in etwa 6-9 m Abstand gebracht werden. Die M. bedürfen der Schattenbäume und des Windschutzes. Die Früchte springen zur Reifezeit auf und machen so den von dem roten Samenmantel umhüllten Kern sichtbar. Sie werden entweder vom Boden aufgesammelt oder aber besser gepflückt. Sodann wird der Kern mit dem Samenmantel aus dem Fruchtfleisch herausgenommen und beide getrennt getrocknet. Der Samenmantel wird so zur fertigen Handelsware, während der Kern so lange getrocknet wird, bis die eigentliche M. sich von der harten Schale gelöst hat, d. h. beim Schütteln der Kerne sich durch Klappern im Innern bemerkbar macht. Dann werden die Kerne geöffnet und die gewonnenen Nüsse nachgetrocknet. Die Kultur der M. ist im wesentlichen auf die Gewürzinseln beschränkt geblieben. Kleine Anpflanzungen recht gut gedeihender Bäume finden sich in Ostusambara in der Sigipflanzung. Die Einfuhr in Hamburg betrug 1913 626 dz Muskatblüten für etwa 247500 M und 1249 dz M. für 191400 M. Unter den Verfälschungen ist die sog. "Papuamacis" zu erwähnen, die von Myristica argentea stammt und zeitweilig aus Neuguinea in den Handel gebracht wurde. Die Kerne sind größer als die echten Nüsse und fast ohne Aroma. Über sog. Fett-M. s. Fette.

Literatur: Warburg, Die Muskatnuß, ihre Geschichte, Botanik, Kultur, Handel und Verwertung. Leipzig 1897 (Engelmann). 628 S. - H. J. Wigman Sr., Specerijen, in: Van Gorkoms Ooist-indische cultures, II. Teil, S. 794 bis 822. Amsterdam 1913 (Busse). H. N. Ridley, Spices. London 1912 (Macmillan & Co.).

Voigt.