Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 588

Monopole. M., ausschließliche Rechte zum Erwerb zur Gewinnung und zum Verkauf von Waren, die im älteren Kolonialwesen eine so große Rolle spielten, widersprechen den heutigen Vorstellungen vom Nutzen wirtschaftlicher Freiheit. Für einen großen Teil des tropischen Afrika, die Freihandelszone der Kongoakte (s.d.), sind durch Art. 5 Handelsmonopole verboten. Wenn nicht dem Wortlaute, so doch jedenfalls dem Sinne nach widersprachen diesem Verbote die ausschließenden Ausbeutungsrechte an den Walderzeugnissen, d.h. vor allem dem Kautschuk, welche seit 1891 der Kongostaat und nach seinem Muster die französische Verwaltung im französischen Kongogebiet einführte. In jenem sind sie von 1910/12 aufgehoben, bestehen aber noch im französischen Kongogebiete und danach auch in Neukamerun, wo die deutsche Regierung als Rechtsnachfolgerin der französischen sie anzuerkennen genötigt ist. Internationale Verpflichtungen, keine M. einzuführen, bestehen auch für die Südsee und für Nordkamerun. - Sehr eigenartig war eine 1889 in Kamerun auf Anregung der ansässigen Firmen ergangene Verordnung. Danach konnte nach Analogie der früheren Einführungspatente denjenigen, welche Schritte taten für die Gewinnung, Herstellung oder Verarbeitung von Gegenständen, die bisher nicht aus dem Schutzgebiete ausgeführt wurden, ein besonderes Recht verliehen werden, auch ein ausschließliches Recht zum Handelsbetriebe für Gebietsteile an die, welche sie durch neue Handelsniederlassungen dem Verkehr zuerst erschlossen. Solche Rechte sollten auf höchstens 10 Jahre verliehen werden und konnten ohne Entschädigung aufgehoben werden, wenn das im Interesse des Schutzgebietes erforderlich war. Schon 1893 (11. Dez.) wurden sämtliche bestehenden ausschließlichen Handelsberechtigungen aufgehoben, ausgenommen das Recht der Firma Woermann auf Gewinnung, Verwertung und Ausfuhr von Faserstoffen. Die ganze Verordnung ist am 25. Mai 1912 aufgehoben. - Die oben ausgesprochene Ablehnung von M. bezieht sich nicht auf solche staatlichen M., welche aus Gründen der Sicherheits-, der Gesundheitspolizei oder zu steuerlichen Zwecken eingeführt werden. So ist in Deutsch-Ostafrika und in Südwestafrika der Handel mit Feuerwaffen (s.d.) und mit Pulver M. der Regierung. In Samoa ist die Einfuhr und der Vertrieb von Opium (s.d.) ausschließliches Recht des Gouvernements (V. vom 20. April 1905). In Kiautschou (V. vom 12. März 1910) steht das Recht, Salz aus Seewasser zu gewinnen, ausschließlich dem Fiskus des Schutzgebiets zu, der Privatpersonen die Erlaubnis zur Salzgewinnung gegen eine Gebühr von jährlich 4 Dollar für je 5000 qm der benutzten Wattenfläche erteilt.

Rathgen.