Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 567 f.

Mischsprachen. Die verschiedenen Rassen, die in Afrika seit alter Zeit wohnen, haben vermutlich ursprünglich ganz verschiedene Sprachen gesprochen: Hamitensprachen und Sudansprachen. Bei dem jahrtausendelangen Zusammenwohnen haben sich aber die Sprachen gegenseitig stark beeinflußt. Manche Hamitensprachen haben sudanische Eigentümlichkeiten angenommen, wie z.B. das Bedauye, das gegen die Regel den Genitiv voranstellt, das Haussa, das das alte Passiv vernachlässigt und eine Umschreibung verwendet, wie man sie im Sudanischen findet. Manche Sudansprachen sind durch die Hamitensprachen beeinflußt. So hat das Nubische den musikalischen Ton verloren, so hat das Dinka Pluralbildungen, die an Hamitisches erinnern, und ist schließlich einer Hamitensprache wie dem Bari ähnlich geworden. Wie es scheint, hat diese Mischung von Hamitischem und Sudanischem zu einer Reihe von Mischformen geführt, die wir nach G. A. Krause als "bantoid" nennen. Aber auch die eigentlichen Bantusprachen (s.d.) lassen sich als Mischsprachen ansehen, in die dann noch bis in die neueste Zeit sudanisches, hamitisches, besonders aber hottentottisches Sprachgut eingedrungen ist. Die Berührung mit asiatischen und europäischen Sprachen hat dann weitere Mischformen hervorgebracht. So ist das Suaheli durchsetzt mit arabischen Worten, in das Kapholländische sind sogar malaiische Worte eingedrungen, das Pidginenglisch hat englische Vokabeln und afrikanische Grammatik.- S.a. Suaheli, Pidginenglisch.

Meinhof.