Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 564

Mischehen. Unter M. versteht man eheliche Verbindungen zwischen Angehörigen der weißen Rasse einer- und denen der farbigen Rasse andrerseits. Die Frage der M. hat praktische Bedeutung eigentlich nur in den Schutzgebieten Deutsch-Südwestafrika und in Samoa erlangt, da in den übrigen Schutzgebieten, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, Eheschließungen zwischen Weißen und Farbigen nicht vorgekommen sind. Auch handelt es sich bei diesen M. nur um eheliche Verbindungen zwischen männlichen weißen Ansiedlern und farbigen Frauen. Der umgekehrte Fall, daß eine weiße Frau einen Farbigen geheiratet hätte, ist wohl in Deutschland, in den Schutzgebieten selbst aber nicht vorgekommen. Die Frage der Gültigkeit derartiger M. nach deutschem Recht ist bestritten. Früher sind solche Ehen von den Standesbeamten in den Schutzgebieten beurkundet worden. Neuerdings weigern sich aber die Standesbeamten in Samoa und Deutsch- Südwestafrika, M. zu schließen. Die Weigerung, die das Obergericht in Windhuk in mehreren Entscheidungen ausdrücklich gebilligt hat, gründet sich auf die §§ 4 u. 7 SchGG., weil dort gesagt ist, daß die Eingeborenen den Vorschriften über die Eheschließung und die Beurkundung des Personenstandes in den Schutzgebieten nur insoweit unterliegen, als dies durch Ksl. Verordnung bestimmt wird. Eine solche Sonderbestimmung ist aber für die Eingeborenen bisher nicht ergangen. (Hierüber Gerstmeyer, Das Schutzgebietsgesetz, Berl. 1910, J. Guttentags Verlag, Anm. 7 zu § 7 des Schutzgebietsgesetzes, S. 30.) Die Zahl der in Deutsch-Südwestafrika bestehenden M. beträgt etwa 40; die Zahl der M. in Samoa wird eher noch etwas höher sein. Wegen der Beurteilung der Mischlinge, ihrer Zahl in den deutschen Schutzgebieten, ihrer Rechtsstellung s. Mischlinge.

Krauß.