Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 529

Maul- und Klauenseuche ist eine ansteckende, mit der Bildung von Blasen im Maule und an den Klauen einhergehende, schnell verlaufende Erkrankung des Klauenviehs (Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine). Der Ansteckungsstoff der M. u. K. ist noch nicht bekannt. Die Ansteckung gesunder Tiere erfolgt entweder unmittelbar durch kranke Tiere oder mittelbar durch Zwischenträger verschiedenster Art (rohe Milch, Häute, Hörner, Wolle, Dünger, Personen, Pferde, Hunde, Katzen usw.). Auch durchgeseuchte Tiere können durch den an ihnen haftenden Ansteckungsstoff die Seuche noch mehrere Wochen hindurch übertragen. Ferner gibt es Tiere, die monatelang nach überstandener Seuche den Krankheitsstoff ausscheiden ("Bazillenträger", "Dauerausscheider"). Die Tiere, die den Ansteckungsstoff der M. u. K. aufgenommen haben, zeigen nach etwa 3-6, unter Umständen aber auch erst nach 14 Tagen Fieber, Speicheln sowie Störungen der Futteraufnahme und des Wiederkauens. Nach Verlauf von 2-3 Tagen treten unter Verschwinden des Fiebers im Maule, an den Klauen und an anderen Stellen Blasen auf. Diese sind hanfkorn- bis haselnußgroß und größer, grau, und ihre Wand besteht aus einer dünnen Haut, ihr Inhalt aus einer klaren, farblosen, leicht getrübten gelblichen Flüssigkeit. Beim Auftreten der Blasen im Maule (Maulseuche) beobachtet man starkes Speicheln und zeitweilig schmatzende Geräusche, beim Auftreten der Blasen an den Klauen (Klauenseuche) gespannten Gang und Lahmgehen. Die Klauenseuche nimmt in der Regel einen gutartigen Verlauf und heilt in 1-2 Wochen ab. Sie unterliegt im Deutschen Reiche und in den Kolonien der veterinärpolizeilichen Bekämpfung (Anzeigepflicht, Verkehrs- und Nutzungsbeschränkungen, Desinfektion).

v. Ostertag.