Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 527

Matumbi, Name zweier Landschaften in Deutsch-Ostafrika. 1. M., auch die Matumbiberge genannt, gehört zum Vorland von Deutsch-Ostafrika (s.d. 5), erhebt sich als hügeliges Land, mit schmalem Flachlandstreifen an der Küste, südlich des Rufiji bis zu 630 m Meereshöhe. Nach seinem Aufbau, hauptsächlich aus flachgelagerten Schichten des Jura, auch der Kreide, ist M. den küstennahen Plateaus im S (s. Muera, Makonde, Noto) nahe verwandt, nicht aber nach seinen Formen. Denn die einstige Tafel ist durch die Erosion völlig zerschnitten. In den wenig durchlässigen Kalken und Schiefertonen, in den ziemlich festen Sandsteinen finden sich häufig ausgeprägte Rückenformen. Hierin unterscheidet sich M. von dem mit ihm verwachsenen, aber viel weicher modellierten Kissi (s.d.). In M. sind seit 1909 eine größere Anzahl von Höhlen entdeckt worden, die den Eingeborenen als Schlupfwinkel dienten. Die Regenmengen dürften auf den östlichen Hängen 1250 mm erreichen. Die Vegetation besteht oft aus dichtem Buschwald, manchmal aus parkartigem Gehölz (s. Usaramo). M. eignet sich gut zum Ackerbau, der am stärksten am Fuß von M., an der Küste betrieben wird, in der Umgebung von Ssamanga. Kibata, Sitz einer Nebenstelle des Bezirks Kilwa (s.d.), liegt am Osthang von M., 20 km von der Küste. Die Niederschläge betragen 1140 mm im fünfjähr. Mittel. In der Mitte der Regenzeit, im Febr., tritt oft nachlassender Regen ein (vgl. Deutsch-Ostafrika 4). M. ist 3700 qkm groß (wovon 500 auf den Küstenstreifen kommen) und gehört größtenteils zum Bezirk Kilwa, der Norden zum Bezirk Rufiji. Die Bevölkerung besteht aus etwa 22500 Wamatumbi (s.d. 1); die Dichte ist also 6. Die wichtigsten Feldfrüchte von M. sind Sorghum, Mais, Bohnen, Maniok, Erdnüsse, Sesam. In der Nähe der Küste liegen mehrere Baumwoll- und Kautschukpflanzungen.

Literatur: W. Bornhardt, Zur Oberflächengest. u. Geol. Deutsch- Ostafrikas. Berl. 1900. - Über die Höhlen: Thurmann im KolBl. 1910 S. 654 u. 1911 8. 660 (m. Skizze).

2. M. gehört als ein Teil von Ubena im weiteren Sinn (s.d.) zum Ostafrikanischen Randgebirge, liegt zwischen Ubena, im engeren Sinn, und Ungoni (s.d.), zwischen dem Ruhudje (s. Rufiji) und dessen rechtem Nebenfluß, dem Pitu. M. ist ein unruhig bergiges Land, steigt nach Südwesten hin an; die Mittelhöhe beträgt ungefähr 900 m. Buschland und Bambusdickicht sind die wichtigsten Vegetationsformen. Etwa 10000 Wamatumbi (s. d. 2 u. Tafel 203) bewohnen das 3000 qkm große M. (Dichte 3). Sie sind gute Ackerbauer; u.a. wird besonders auch Reis angebaut.

Uhlig.