Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 522 f.

Massaisteppe wurde einst das ganze hochgelegene Steppengebiet Deutsch-Ostafrikas östlich des Victoriasees, am Fuß des Kilimandscharo und Meru vorbei und nach Südosten bis nach Nguru genannt. Hier überall waren einst die Massai (s.d.) die gefürchteten Herren. Heute nennt man M. besser nur das Land südlich der versenkten Scholle des Kilimadscharo- und Merugebietes, das sich nach Osten bis zum Panganigraben, nach Süden bis gegen Nguru, Kaguru, Ugogo, nach Westen bis an die Landschaften Irangi, Ufiome, Umbugwe (s. alle diese) erstreckt. - Besonders nach Nordosten hin setzt sich die große Gneisscholle der M. mit den Steilrändern (Mardi in der Massaisprache) von Tschatschame und Lälätema oder Litema scharf ab gegen die 200-400 m tiefer liegenden Nachbargebiete. Die durchschnittliche Meereshöhe dürfte hier 1200 m betragen, weiter westlich in der Landschaft Balanga, am Fuß des gleichnamigen, 2100 m hohen Berges ist sie etwa 1500 m. Im Westen reicht umgekehrt die M. an einen 200-400 m. betragenden Steilanstieg, oberhalb dessen Ufiome, Uassi, Irangi sich ausbreiten. Der Übergang nach den Steppen des nördlichen Ugogo und des nordwestlichen Usigua (s.d.) vollzieht sich orographisch fast unmerklich. Über die Hochfläche der M. erheben sich weithin sichtbar eine Menge schroff ansteigender Inselberge (s.d.), die, wie ihre Umgebung hauptsächlich aus Gneisen bestehen. Daneben treten auch Granite, seltener andere kristalline Gesteine auf. Diese Inselberge sind Reste, die bei der sehr lang andauernden Abtragung eines Gebirgslandes erhalten blieben. Ihr Gestein ist nicht durchweg härter, als das der Umgebung. Der Lossogonoi unter 4° 4' s. Br. und 37° 9' ö. L. ist mit 900 m relativer und 2091 m Meereshöhe der bedeutendste dieser Berge. - Scheint auch ein erheblicher Teil der M. und ihrer flachen Trockentäler dem schwachen Gefälle nach zum Pangani und damit zur Abdachung nach dem Indischen Ozean zu gehören, so ist doch tatsächlich der weitaus größte Teil des Gebietes ohne jeden hydrographischen Zusammenhang mit dem Meer. Wir rechnen die M. zu den abflußlosen Gebieten des Hochlandes von Deutsch-Ostafrika (s.d. 5). Die Regenverhältnisse sind noch ganz wenig bekannt. Zweifellos aber ist die M. eines der regen- und wasserärmsten Gebiete von Deutsch-Ostafrika. Das Mittel der Niederschläge dürfte, abgesehen von der Umgebung der höheren Inselberge, 500 mm nicht erreichen. Dornbusch und Grassteppe sind die Hauptformen der Vegetation, die letztere auf die besseren und häufiger durchfeuchteten Böden der weiten Mulden beschränkt. Diese Gegenden bergen auch heute noch reiche Mengen von Großwild aller Art. Die etwa 27000 qkm große M. ist hauptsächlich im Norden bewohnt, in dem seit 1907 bestehenden Massaireservat der Bezirke Moschi und Aruscha (s.d.), das etwas über die Grenzen der M. hinausgreift. Hier nomadisieren auf ziemlich genau 6000 qkm etwa 11300 Massai (s.d.), 8000 im Bezirk Aruscha, 3300 in Moschi. Die übrige, zu Kondoa-Irangi (s.d.) gehörige M. soll, was wohl etwas hoch geschätzt, noch etwa 9000 Massai bergen, dazu wenige Wandorobbo (s.d.). Danach würde die Volksdichte der ganzen M. 0,8 betragen. Der Viehbestand ist seit der schweren Rinderpest ums Jahr 1900 wieder zu beträchtlicher Größe gestiegen. Man schätzt die Rinder und das Kleinvieh der M. in den Bezirken Aruscha - Moschi - Kondoa-Irangi jetzt auf 45 000, 200 000 - 29 000, 58 000 - 10 000, 100 000 Stück.

Literatur: v. Prittwitz u. Gaffron, Das Massai-Reservat in 1: 200 000. M. a. d. d. Sch. 1910. - Obst, Der östl. Abschnitt der Großen Ostafrik. Störungszone. Mitt. d. Geogr. Ges. Hamb. 1913. - F. Jäger, Das Hochland der Riesenkrater, Teil II. M. a. d. d. Sch. Ergh. S, 1913.

Uhlig.