Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 498

Manilahanf (s. Tafel 125), die Faser aus den Blattscheiden der auf den Philippinen heimischen und auch heute noch dort allein in großem Umfange kultivierten Faserbanane, Musa textilis. Sie wird im Lande selbst Abaca genannt. Die Pflanze gleicht in ihrer Wuchsform durchaus den Obst- und Mehlbananen. Die sich gegenseitig umschließenden Blattscheiden bilden einen Scheinstamm von 2-6 m Höhe. Die Blüten und Fruchtstände sind ebenfalls denen der Fruchtbanane ähnlich. Die Früchte sind aber kleiner und enthalten in einem ungenießbaren Fruchtmus reichlich schwarze, etwa erbsengroße Samen. Die Faser wird aus den Blattscheiden gewonnen; die äußeren liefern kräftigeren Hanf, der meist zu Schiffstauen verwendet wird, die inneren zartere Fasern, die zum Teil sehr feine Gewebe liefern. Der M. liebt ein gleichmäßiges, feuchtes Tropenklima, guten Boden und milden Schatten. Längere Dürreperioden verträgt er nicht. Sein Anbau ist deshalb auf den südlichen Teil der Philippinen beschränkt und hat bisher in anderen Gebieten der Tropen noch keine wesentlichen Erfolge zu verzeichnen gehabt. Die Gewinnung der Faser erfolgt in der Regel vom 2. bis 4. Jahre, indem die ganze Pflanze kurz vor der Blüte, oder Fruchtbildung über dem Boden abgeschnitten wird. Die Blattstiele werden von der Blattfläche getrennt und in Längsstreifen zerlegt. Die Entfaserung geschieht sofort nach der Ernte auf einfachen, von den Eingeborenen hergestellten Entfaserungsmaschinen. Die einzelnen Streifen werden zwischen einer Unterlage und einem durch Hebeldruck dagegen gepreßten Messer hindurchgezogen und so von den weicheren Gewebsteilen befreit. Die nach mehrfachem Hindurchziehen isolierten Faserstränge werden durch Schwingen und Schlagen von den noch anhaftenden Schäbeteilen möglichst befreit und entweder sofort oder nach kurzer Behandlung in Wasser getrocknet. Die Abfälle bei der Hanfbereitung finden umfangreiche Verwendung in der Papierfabrikation. Auch von anderen Bananenarten, z.B. von einigen in Ostafrika verbreiteten Arten, und vor allem von der Obst- und Mehlbanane hat man versuchsweise Fasern gewonnen, die aber bisher für die Industrie noch keine Bedeutung erlangt haben. Diese Fasern sind meistens zu kurz, nicht sauber genug aufbereitet und in der Regel sehr brüchig. Letzteres dürfte namentlich der Fall sein, wenn die Obstbananen erst nach der Ernte der Früchte zur Fasergewinnung herangezogen werden. Im Jahre 1910 führten die Philippinen 160000 t aus, Hamburg importierte 1913 2235 t.

Literatur: Dr. J. Dekker, Manilahennep, in Van Gorkom's Oost- indische Cultures, Bd. III. Amsterdam 1913. - E. B. Copeland, Abacá: The Philippine Agriculturist and Forester, 1911, 64. - M. Schanz, Die Kultur des Manilahanfs auf den Philippinen, Tropenpflanzer VI, 175-181. - Oh. Remery, L'Abaca aux Philippines et au Tonkin: Revue des cultures coloniales 1903, XIII, 203 ff.

Voigt.