Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 478

Mahenge, Landschaft in Deutsch-Ostafrika, nach der ein Militärbezirk und dessen Verwaltungssitz benannt wurde, obwohl letzterer nicht in der Landschaft M., sondern südlich davon in Upogoro (s.d.) liegt. - 1. Die Landschaft M. erstreckt sich längs des teilweise schiffbaren Kilombero- (Ulanga-)Quellflusses des Rufiji (s.d.) bis dahin, wo letzterer den Großen Ruaha aufnimmt, zwischen Uhehe im Norden und Upogoro im Süden. M. hat die geringe Meereshöhe von 190-360 m, ist als ein westlicher Ausläufer des Vorlandes von Deutsch-Ostafrika (s.d. 8) anzusehen; seine Größe beträgt ungefähr 10000 qkm; es ist meist Niederungsland; die fruchtbaren Alluvialböden werden zur Regenzeit, zumal durch das von den umliegenden Bergländern herabkommende Wasser weithin überschwemmt; man kann die Ebene dann nur in Booten queren. Bananen und Reis (jährlich zwei Ernten) gedeihen hier vorzüglich, ferner Sorghum, Mais, Bataten, Zuckerrohr. In der Station Kiberege der Benediktiner (s.d.) im nördlichen M., etwa 350 in ü. d. M., betrug die Regenmenge 1396 mm im dreijähr. Mittel; die Temperaturen sind verhältnismäßig hoch. M. ist noch sehr wildreich; die Viehzucht ist gering. Der ursprünglich in M. ansässige Bantustamm der Wandamba (s.d.) ist von den von Norden her in die Ebene hinabgestiegenen Wabena (s.d.) und von den von S her eingedrungenen Wabunga (s.d.) und Wangoni (s.d.) unterjocht worden. Insgesamt sitzen etwa 57000 Eingeborene in der Landschaft, sehr ungleichmäßig verteilt. Malaria, Rückfallfieber und Surra (s. diese) sind recht verbreitet in M. 2. Der Bezirk M. umfaßt außer dem größten Teil der gleichnamigen Landschaft noch Upogoro (s.d.) nebst Nduewe und Mgende im SO sowie andere kleinere Gebirgslandschaften; seine Größe ist 33000 qkm, die Zahl der Einwohner wurde Anfang 1913 zu 120000 geschätzt, was knapp der Dichte 4 entspricht. Damals waren 40 Europäer im Bezirk und 87 nichteinheimische Farbige. Der Viehstand der Eingeborenen von M. wird nur auf 40 Rinder und 3000 Stück Kleinvieh geschätzt. Im Besitz der Europäer waren 230 Rinder, 382 Ziegen, Schafe und Schweine. Das von Pflanzungen Nichteingeborener in Anspruch genommene Land war 1908 2,7 qkm groß, dazu kamen 1909/12 13,7 qkm verpachteten Landes. Es gab drei Ansiedler in M. und etwa zehn indische Geschäftsleute. 1912 wurden etwa 30000 kg Wachs und 10000 kg Lianenkautschuk aus M. zur Küste gebracht. 3. Die Station M. liegt 1025 m ü. d. M. in Upogoro (s. d.). Die Regenmenge erreicht hier 1749 mm im zehnjähr. Mittel; es herrscht kontinentales Passatklima (s. Deutsch-Ostafrika 4). In M. steht die 12. Kompagnie der Schutztruppe. Post.

Literatur: v. Einsiedel, Der Militärbezirk Mahenge, KolBl. 1913.

Uhlig.