Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 474

Magad oder Großer Natronsee ist der größte der Seen des nördlichen abflußlosen Gebiets von Deutsch-Ostafrika (s.d. 5) mit 903 qkm Fläche, von denen allerdings nur etwa 270 qkm, die Lagunen, dauernd von Wasser bedeckt sind. M. bedeutet in der Sprache der Massai (s.d.) zunächst das zum größten Teil aus Soda (s.d.) bestehende Salzgemenge, was sich an und in diesem und andern Seen des Gebietes ausscheidet und als Zusatz zum Schnupftabak einen Handelsartikel großer Teile von Deutsch-Ostafrika bildet. Die Bezeichnung M. wurde dann besonders auf 2 Hauptfundstätten der Soda übertragen, unsern deutschen M. und den viel kleineren 24 km nordöstlich von ihm in Britisch- Ostafrika gelegenen Magadi oder Lodungoro. Die sehr reinen Salzlager des letzteren sollen mit Hilfe einer von der Ugandabahn (s.d.) abzweigenden Kleinbahn ausgebeutet werden. Der M. liegt in 610 m ü. d. M. am Fuß der Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.), die sich im Oldoinjo Ssambu ganz steil um 1400 m über den Seespiegel erhebt. Sein Nordende wird von der Grenze gegen Britisch-Ostafrika gerade noch geschnitten. Aus diesem Land kommt der bei weitem größte Zufluß, der Ewasso ngiro. Zwei kleinere, ebenfalls von Westen her kommende Flüsse sind der Peninj und der Engare Ssero. Während der Regenzeit bringen sie so viel Wasser, daß dann der See den ganzen genannten Umfang erreicht, wozu ein Steigen des Spiegels um knapp 1/2 m genügt. Nicht nur die erwähnten drei Flüsse, sondern noch eine größere Anzahl recht beträchtlicher, zum Teil heißer, salzhaltiger Quellen führen dem See das ganze Jahr hindurch Wasser zu. Trotzdem überwiegt in den Monaten Mai bis Nov. die Verdunstung so sehr, daß überall die auskristallisierten, weißen und purpurrosafarbigen Salzmassen und der zähe Schlamm des Bodens zutage treten. In den Lagunen ist bisher nirgends mehr als 1/2 m Wassertiefe in dieser Jahreszeit festgestellt worden. - Das Gebiet des Sees gehört zu den heißesten und regenärmsten Teilen von Deutsch-Ostafrika (s.d. 4), steigt das Land um den See doch auch ostwärts überall an; die Vegetationsformen sind langer Trockenzeit angepaßt. Sehr große Flächen nimmt die Grasbüschelsteppe ein. Hier ist der Tummelplatz zahlloser Antilopen verschiedener Arten, von Zebras, Straußen, Löwen. Auch Elefant und Nashorn kommen vor, im Schilfsumpf das Flußpferd. Die Lagunen sind von einer an Arten und Individuen reichen Vogelwelt belebt. In der nächsten Umgebung des Sees, die ziemlich ungesund ist, gibt es keine Siedelungen.

Literatur: S. Ostafrikanische Bruchstufe.

Uhlig.