Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 469

Luzerne (Alfalfa), Medicago sativa L. (aus der Fam. der Leguminosen), eine der wichtigsten (kleeartigen) Futterpflanzen (s.d.) der Welt, ausgezeichnet durch hohe Reproduktionsfähigkeit, hohe Erträge und vorzügliche Qualität des produzierten Futters. Sie ist ein ausdauerndes (perennierendes) Gewächs, das unter günstigen Verhältnissen länger als 10 Jahre (bis zu 15 Jahren) auf dem Acker aushält. Bis 90 cm hohes Kraut mit reichentwickeltem Wurzelsystem, das bis über 5 m tief den Boden durchdringt, und violettblauen Blüten. Anbau. L. bedarf genügender Mengen von Kalk und anderen Nährstoffen sowie eines durchlässigen Bodens, da empfindlich gegen stauende Nässe. Tiefgründige, gleichartige Lehm- und Mergelböden mit entsprechendem Untergrund, frei von undurchlassenden Schichten, sagen ihr besonders zu. Gedeiht auch auf Neuland, sofern dieses nur die sonstigen Bedingungen erfüllt. Ferner ist sie gegen hohen Salzgehalt des Bodens wenig empfindlich; in Turkestan z. B. wird die L.kultur (mit Bewässerung) direkt zur Entsalzung von Böden angewandt, die für andere Kulturen wegen des hohen Salzgehalts noch untauglich sind. Da die L. den Acker oft viele Jahre besetzt hält, ist sie im allgemeinen zur Einschaltung in Rotationen (s. Fruchtfolge) nicht geeignet, es sei denn, daß alle Schläge eines Betriebes luzernefähig sind. Auswahl guten, von Flachsseide (s. u.) und anderen Unkrautsamen freien Saatgutes sehr wichtig. Tiefes Pflügen und Untergrundlöckerung erforderlich, ebenso Beseitigung oder Unschädlichmachung der Unkräuter. Nur junge L.Pflanzen sind frostempfindlich. Die höchsten Erträge liefert die L. in wärmeren Gegenden mit Bewässerung; doch ist ihre Kultur für das tropische Tiefland kaum geeignet. In tropischen und subtropischen Gebieten ist der Anbau mit künstlicher Bewässerung (s.d.) unter allen Umständen dem Anbau auf Regen vorzuziehen. Unter günstigen Bedingungen liefert sie dann bis zu 10 Schnitten jährlich (z.B. in Turkestan). Nach dem Abmähen treibt sie sehr schnell wieder nach. Da beim Trocknen leicht die Blätter abfallen, die nahezu den doppelten Eiweißgehalt (29 %) von dem der Stengel (16 %) besitzen, ist Aberntung in grünem Zustand besser als die Heuwerbung. Luzerneheu ist vor Regen zu schützen! Zur Samengewinnung (bei Brand- und Westgate) werden besondere, ältere Schläge benutzt. Erträge schwanken nach Boden, Lage, Jahrgang und Alter des Feldes, sind gewöhnlich im 3. und 4. Jahre am höchsten. Nach Werner durchschnittlich pro Hektar 320 dz grüne L. = 80 dz L.heu. Wichtigste Schädlinge und Krankheiten. Der schlimmste Feind der L. ist die Flachsseide (Cuscuta Epithymum), welche die L.pflanzen umspinnt und zum Absterben bringt; daher nur "seidefreies" Saatgut verwenden. Von pflanzlichen Schädlingen sind noch zu nennen: der Kleeteufel (Orobanche); Rost, Mehltau und Wurzeltöter (Rhizoctonia), von tierischen: Mäuse, Schnecken und verschiedene Käfer. In den Schutzgebieten hat die L. vorläufig erst in Deutsch-Südwestafrika (bei Dinter) in größerem Umfange Eingang gefunden, wo sie mit Bewässerung vorzüglich gedeiht; für die Straußenzucht (s.d.) unentbehrliches Futter! In den tropischen Kolonien sind Versuche eingeleitet, so vom Institut Amani (Deutsch-Ostafrika) und dem Gestüt Golombe (Kamerun).

Literatur: Strebel in v. d. Goltz, Handbuch der Landwirtschaft, Bd. II. Tübing. 1889. Werner, Handbuch d. Futterbaus. 3. Aufl., Berl. 1907. - Stebler, Die besten Futterpflanzen. Bern 1908. - Dinter, Deutsch-Südwestafrika. Leipz. 1909. - Ludewig in Tropenpflanzer 1911, S. 393. - Fortier, Irrigation of Alfalfa. U. S. Dept. of Agricult. Farmers Bull. 373. Wash. 1909. - Brand u. Westgate, Alfalfa in cultivated rows for seed, production in semiarid regions. U. S. Dept. of Agricult (Washington), Bur. of Plant Industry 1909, Circ. Nr. 24. - Oakley u. Garver, Two types of proliferation in Alfalfa, ebenda 1913, Circ. Nr. 15. - McKlee, Arabian Alfalfa, ebenda 1913, Circ. Nr. 116.

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