Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 459

Livingstonegebirge (s. Tafel 115). Das L. in Deutsch-Ostafrika, so genannt nach dem großen Forscher und Missionar (s.d.), zieht sich am Ostufer der Nordhälfte des Njassa (s. d.), von der Ruhuhusenke bis zum Eltonplateau (s.d.), ostwärts bis zum Steilabfall gegen Ubena (s.d.). Es ist ein gebirgiges Hochland, das von der Ostwand des Njassagrabens abgeschnitten wird. Die erste große Stufe des Bruchs erhebt sich vom Seespiegel (478 m ü. M.) sehr steil bis zu etwa 2200 m Meereshöhe (s. Tafel 115). Weiter östlich gelegene Gebirgsteile steigen noch höher empor. Im Kipengererücken, etwa 50 km nördlich vom Njassa, erreicht der Jantowe-Gipfel 2933 m. Bald wird die Bezeichnung L. auf die dem See nächstgelegenen Teile des Hochlandes beschränkt, bald weithin ausgedehnt. Die westliche Zone des L. besteht ganz aus steil aufgerichtetem Urgneis, der dem Ufer parallel streicht; etwa 25 km vom Westfuß, etwa mit der Gegend der Wasserscheide, beginnt ein Gebiet von Phylliten und Tonschiefern, die den Gneisen gleichgelagert (konkordant) und vermutlich altpaläozisch sind. Beide Gesteinsfolgen werden in Norden diskordant von einer durch die Erosion zerstückelten Decke flach lagernder Sandsteine und Quarzite überdeckt, die etwa der Kapformation Südafrikas (Devon) entsprechen dürften. Eine neuere Untersuchung (E. Scholz) aber hat an verschiedenen Stellen von Buanji (s.u.) festgestellt, daß der Gneis von allen auflagernden Sedimenten durch eine Diskordanz getrennt ist, eine solche aber innerhalb der letzteren fehlt. Die Tonschiefer, Quarzite, Sandsteine und Konglomerate, insgesamt bis 700 m mächtig, sind im allgemeinen wenig gestört, zeigen aber gelegentlich Einfallen bis zu 40°. Obwohl der Steilhang des Gebirges nach Westen gerichtet ist, sind gerade hier die Niederschläge reichlich, infolge des Einflusses des Sees; Tandala in 2014 m Mh., Station der Berliner Mission, hat 1471 mm im siebenjähr. Mittel. Das Hochland hat geringere Regen (s. Buanji). An den oberen Teilen der Hänge tritt über einer Bambuszone (Arundinaria) üppiger Höhenwald mit prächtigen Nadelhölzern (Podocarpus, Juniperus) auf. Zerstreute Hochweiden und dichter Hochgebirgsbusch kommen in den höchsten Teilen des Gebirges vor. - Auf großen Flächen ist die ursprüngliche Vegetation der Bodenkultur gewichen. Das Gebirge ist verhältnismäßig dicht bewohnt. Den größten Teil von ihm nehmen die Landschaften Ukinga (s.d. und Wakinga) oder Kinga ein, nach der gelegentlich die Nordhälfte des Gebirges genannt wird, und Upangwa (s.d. und Wapangwa). Buanji (s.d., Wabuanji u. Tafel 198) bildet den Nordosten des L.

Literatur: s. Konde und Njassa, ferner E. Kohlschütter, Triangulation und Messtischaufnahme des Ukingagebirges Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1908 (m. Karte)

Uhlig.