Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 456 f.

Lindequist, Friedrich v., Dr. jur. h. c., Staatssekretär a. D., geb. am 15. Sept. 1862 in Wosteritz, wurde Anfang 1892 preuß. Regierungsassessor, im gleichen Jahr in die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts einberufen, Frühjahr 1894 nach Deutsch-Südwestafrika entsandt, wo er dem Landeshauptmann in Windhuk zugeteilt war. 1896 wurde er zu dessen ständigem Vertreter und zum Regierungsrat ernannt. Ende 1898 kehrte v. L nach Deutschland zurück, war in der Kolonialabteilung beschäftigt und wurde 1900 mit der Verwaltung des Generalkonsulats in Kapstadt beauftragt, 1902 zum Generalkonsul daselbst ernannt. 1905 wurde v. L. zum Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika ernannt, welche Stelle er bis 1907 inne hatte. 1906 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Greifswald verliehen. Bei der Errichtung des RKA. 1907 wurde er Unterstaatssekretär. In diesem Amt machte er 1908 in amtlichem Auftrage eine längere Reise durch die Hochländer Deutsch- Ostafrikas zur Feststellung der Besiedlungsmöglichkeiten dieser Gebiete. Der Bericht der unter seiner Leitung stehenden Kommission "Deutsch-Ostafrika als Siedlungsgebiet für Europäer", wurde 1912 in den Schriften des Vereins für Sozialpolitik veröffentlicht. 1910 wurde v. L. als Nachfolger Dernburgs (s.d.) Staatssekretär des RKA. mit dem Charakter als Wirkl. Geh. Rat. Als solcher wandte er wie schon als Gouverneur seine Aufmerksamkeit besonders der wirtschaftlichen Erschließung und Besiedelung der Kolonien zu. Am 3. Nov. 1911 schied er auf seinen Antrag aus dieser Stellung aus. 1913 reiste v. L. zum Studium der deutschen Ansiedlungen in Brasilien nach Südamerika. v. L. lebt in Berlin.