Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 448 f.

Leipziger Missionsgesellschaft. Die Evangelisch-lutherische Mission zu Leipzig, im Jahre 1836 in Dresden begründet und 1848 nach Leipzig verlegt (Sitz: Leipzig, Karolinenstr. 19), hat 1840 unter den Tamulen in Indien als Nachfolgerin der Dänisch-Halleschen Mission zu missionieren begonnen und ein Kirchenwesen geschaffen, das Ende 1911 21962 Seelen umfaßte, 313 Schulen mit 12453 Schülern zählte und von 38 ordinierten Missionaren, insgesamt von 58 Europäern versorgt wurde. Als ihre Eigenart bezeichnet diese Mission (Grundbestimmungen § 1), daß sie ihrer gesamten Tätigkeit das Wort Gottes zugrunde legt, "wie dasselbe von der evangelisch-lutherischen Kirche in ihren Bekenntnisschriften bekannt wird" und (§ 2) die für das Evangelium Gewonnenen "zu Gemeinden evangelisch- lutherischen Bekenntnisses sammeln" und "durch Heranbildung eines einheimischen Lehrstandes mit der Zeit selbständig machen" will. Dieser ausgesprochen lutherische Charakter und dieser kirchliche Zug ist vor allem durch ihren organisatorisch wie wissenschaftlich bedeutenden Direktor Karl Graul (1844-1860, gest. 1864) scharf ausgeprägt worden. Ihr Grundsatz, nur akademisch gebildete Theologen auszusenden, hat sich auf die Dauer nicht festhalten lassen. Ihr Hinterland sind vor allem die lutherischen Landeskirchen in Sachsen, Bayern, Hannover, Mecklenburg, aber sie wird auch von Lutheranern anderer deutscher Landeskirchen und besonders von der lutherischen Kirche Rußlands unterstützt. 1893 vereinigte sich mit der damals durch Direktor v. Schwartz geleiteten L. M. die durch Pfarrer Ittameier zu Hersbruck in Bayern 1886 begründete "Gesellschaft für evangelisch- lutherische Mission in Ostafrika". Diese Gesellschaft hatte eine mühevolle Arbeit unter den Wakamba unternommen und die Enttäuschung erlebt, daß dieses Gebiet durch den sog. Sansibarvertrag vom 1. Juli 1890 (s. Erwerbung der deutschen Kolonien) in englische Hände überging. Die L. M. hat zwar diese Arbeit weitergeführt, die allerdings noch heute eine sehr bescheidene Ausdehnung hat (3 Stationen, 65 Getaufte), aber sie hat zugleich in demselben Jahr auf deutschem Gebiet die aussichtsvolle und erfolgreiche Tätigkeit, im Kilimandscharogebiet in Angriff genommen. S. Mission.

Literatur: H. Karsten, Geschichte der evang.-luth. Mission in Leipzig, 2 Teile. Güstrow 1893/94. - Plitt-Hardeland, Geschichte der lutherischen, Mission, 2. Aufl. - 2 Teile. Lpz. 1894/95. - H. Adolphi und J. Schanz, Am Fuße der Bergriesen Ostafrikas. 2. Aufl. Lpz. 1912. - Handmann, Das 75jährige Jubiläum der ev.-luth. Mission zu Leipzig: Allgemeine Missionszeitschrift 1912, 3-18; 49-67. C. Mirbt, Mission und Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten. Tübing. 1910. 93. Jahresbericht der evang.-luth. Mission in Leipzig. Lpz. 1912. - Paul, Die Leipziger Mission daheim und draußen, Lpz. 1914. S. Missionszeitschriften.

Mirbt.