Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 426

Landregister. Das L. hat den Zweck, das Grundbuch vorläufig zu ersetzen. Die Anlegung des Grundbuchs kann naturgemäß nur langsam, in gleichem Schritt mit der Landesvermessung, vor sich gehen. Die Bedürfnisse des Verkehrs und Kredits lassen es jedoch erwünscht erscheinen, eine einstweilige, wenngleich nicht ebenso zuverlässige Buchungseinrichtung zu schaffen, namentlich auch, um die Belastung nicht im Grundbuch eingetragener Grundstücke mit Hypotheken und Grundschulden zu ermöglichen. Von dieser Erwägung ausgehend bestimmt die Ksl. V. vom 21. Nov. 1902 (RGBl. S. 283), daß Grundstücke, für die ein Grundbuchblatt noch nicht angelegt ist, in ein L. eingetragen werden können (§ 19). Die L. sind mit der Maßgabe zu führen, daß sie nur den Titel und zwei Abteilungen (nach Art der Grundbuchtabellen) enthalten (§ 23 AusfV. des RK. vom 30. Nov. 1902, KolBl. S. 568). In die zweite Abteilung werden Hypotheken und Grundschulden eingetragen, jedoch nur unter Ausschluß der Brieferteilung. Eine Belastung der im L. eingetragenen Grundstücke mit andern Rechten ist nicht statthaft (§ 22 Abs. 1 Ksl. V.). Bei dem Antrag auf Eintragung des Eigentums in das L. ist der Erwerb nachzuweisen und das Grundstück möglichst genau zu bezeichnen. Das Grundbuchamt entscheidet darüber, ob die Bezeichnung genau genug ist. Die Eintragung schafft die Vermutung, daß der Eingetragene Eigentümer ist. Öffentlicher Glaube kommt dem L. auch für Hypotheken und Grundschulden in Ansehung des Eigentums nicht zu. Für die geschäftliche Behandlung der Anträge, deren Form und Kosten gilt Entsprechendes wie beim Grundbuch. Der Gouverneur kann allgemein oder im Einzelfall bestimmen, ob ein bisher geführtes Land- oder Hypothekenregister als L. im Sinne der Ksl. V. zu gelten habe. - In Kiautschou gelten die Vorschriften über das L. nicht.

Literatur s. Grundeigentum.

Gerstmeyer.