Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 465

Lüderitz, Franz Adolf Eduard, geb. am 16. Juli 1834 in Bremen, wo sein Vater ein Tabaksgeschäft besaß. Er hielt sich jahrelang in den Vereinigten Staaten von Amerika auf und übernahm 1878 das väterliche Geschäft. L. wandte bald seine Aufmerksamkeit überseeischen Unternehmungen zu. Er gründete 1881 eine Faktorei in dem englischen Lagos (Westafrika). Nachdem er bei der deutschen Regierung angefragt hatte, ob er bei Erwerb noch unbesetzten Landes auf ihren Schutz rechnen könne, entsandte er Anfang 1883 seinen Bevollmächtigten H. Vogelsang nach Südwestafrika. Dieser schloß im Mai 1883 mit dem Hottentottenkapitän Joseph Fredericks in Bethanien einen Vertrag, durch den die Bucht von Angra Pequena (jetzt Lüderitzbucht [s.d.]) mit Umgebung an L. abgetreten wurde, im August 1883 einen weiteren Vertrag, durch den L. die Küste von der Mündung des Oranjeflusses bis zum 26° südl. Br. und 20 Meilen landeinwärts längs dieser Küste erhielt. L. besuchte 1883/84 das nach ihm Lüderitzland genannte neuerworbene Gebiet. 1885 verkaufte L. seine Besitzungen in Südwestafrika unter eigener Beteiligung daran an ein Konsortium, das sie später an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika übertrug (Näheres s. das. u. Erwerbung der deutschen Kolonien 2). L. ertrank 1886 an der Mündung des Oranjeflusses.