Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 380 f.

Krokodile, Panzerechsen (Crocodilia). Die K. bewohnen stehende und fließende Binnengewässer, unter Umständen auch ozeanische Küsten in den tropischen und angrenzenden Regionen der ganzen Erde. Ihre Größe, Stärke und die Schnelligkeit, mit der sie sich in ihrem Elemente fortzubewegen verstehen, machen sie zu höchst gefährlichen Raubtieren, denen selbst Säugetiere von der Größe eines Büffels oder Kamels zum Opfer Fallen. Die K. lauern an den Tränken jenen auf, indem sie regungslos, bis auf die hochliegenden Augen und Nasenlöcher eingetaucht, im Wasser liegen und blitzschnell zufahrend, das Tier mit dem furchtbaren Gebiß packen und unter Wasser ziehen. Auch Menschen fallen ihnen auf diese Weise durchaus nicht selten zum Opfer, und es erklärt sich hieraus sowohl die schonungslose Verfolgung, der die K. vielfach ausgesetzt sind, wie die religiöse Verehrung, die der gefürchteten "Gottheit" von den Naturvölkern stellenweise entgegengebracht wird und, wie die ägyptischen Krokodilmumien zeigen, schon vor Jahrtausenden erwiesen wurde. Diese Mumien gehören dem Nilkrokodil (Crocodilus niloticus) an, einer Art, die in fast ganz Afrika verbreitet ist, wo größere Gewässer ihm das Fortkommen ermöglichen. Aufs Land geht es im allgemeinen nur, um sich zu sonnen oder seine Eier abzulegen. Trocknet das Gewässer, in dem es sich befindet, aus, und ist es ihm nicht möglich, ohne größere Landwanderung ein anderes zu erreichen, so vergräbt es sieh im Schlamm und erwartet schlafend den Wiedereintritt der feuchten Periode. Es erreicht eine Länge von 7 m. Nicht viel kleiner ist das an der Guineaküste lebende, auffallend langschnauzige Panzerkrokodil (Crocodilus cataphractus), während sein Gegenstück, das im gleichen Gebiete lebende, vielfach göttliche Verehrung genießende kurzschnauzige Stumpfkrokodil (Osteolaemus tetraspis) ganz erheblich hinter solchen Maßen zurückbleibt. Zu den echten K. gehört ferner das Leistenkrokodil (Crocodilus porosus), ein Tier, das an Größe selbst das Nilkrokodil noch übertrifft. Es bewohnt Küsten Südostasiens und der australischen Inselwelt und wagt sich mitunter weit ins offene Meer hinaus. Auch Amerika beherbergt echte K., hauptsächlich aber die sehr nahestehenden Gattungen Al1igator und Caiman. So in Nordamerika den Hechtalligator (Alligator lucius), im Gebiete des Amazonas den gefürchteten Mohrenkaiman (Caiman Niger). Ein Vertreter einer besonderen Gruppe ist der indische, ungemein langschnauzige Gavial (Gavialis gangetious), der sich vorwiegend von Fischen nährt. - Neuerdings ist man dazu übergegangen, die K. energischer als früher zu verwerten. Im Süden der Vereinigten Staaten sind ganze Alligatorenfarmen eingerichtet worden, auf denen die Panzerechsen in großem Maßstabe zur Gewinnung ihres kostbaren Leders, das zu Koffern, Handtaschen, Geldbörsen usw. verarbeitet wird, gezüchtet werden. Ganz junge Exemplare verschiedener Arten, besonders Alligator lucius und Crocodilus niloticus, gelangen zurzeit in großer Zahl auf den europäischen Markt, wo sie bei den Tierliebhabern reißenden Absatz finden.

Sternfeld-Tornier.