Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 369

Kostschulen. Die Schüler der Regierungs- und Missionsschulen unserer Kolonien kommen oft aus entfernten Bezirken, um des Unterrichts teilhaft zu werden. Besonders sind es häufig die Häuptlinge der umliegenden Gebiete, welche den Wunsch haben, ihren Söhnen eine gute Erziehung angedeihen zu lassen. Dies liegt auch im Interesse der Verwaltung, da die so ausgebildeten jungen Leute den einheimischen Ortsvorstehern usw. beigegeben werden können, um den Schriftverkehr mit den deutschen Behörden zu erleichtern oder als Vertrauensmänner zu dienen. Um dies zu ermöglichen, mußten Einrichtungen getroffen werden, um diese Schüler am Orte der Schule unter Obhut zu nehmen und zu verpflegen. In Deutsch-Ostafrika wurde im Jahre 1896 damit begonnen, Knaben aus dem Hinterlande von Tanga dort als Kostschüler, zum Teil auf Kommunalkosten, in Pension zu nehmen. Nachdem inzwischen im Hinterland Zweigschulen begründet sind, werden die begabtesten Schüler derselben dort so gefördert, daß sie in Tanga gleich der 3. Klasse als Kostschüler zugewiesen werden können. Auch in den Regierungsschulen der übrigen Bezirke, namentlich in Daressalam und Kilwa befinden sich Kostschüler. Die Regierungsschulen Kameruns wurden (1910/11) ebenfalls von vielen Kostschülern besucht, besonders die in Victoria (etwa 90), in Garua (über 50). In Jaunde nahmen 1910/11 etwa 75 Schüler am Unterricht teil, Häuptlingssöhne der verschiedensten Stämme, die sämtlich in einem Alumnat zu einem monatlichen Verpflegungssatz von 4,50 M untergebracht waren. In Sebe (Togo) befanden sich etwa 80 Kostschüler neben 100 Stadtschülern, in der Fortbildungsschule zu Lome 8 Kost- neben 9 Stadtschülern. In Apia (Samoa) wurden 1908/09 für die Unterbringung der Kostschüler aus Beiträgen der Eingeborenen drei große Samoahäuser erbaut, die Verpflegung lieferten die Dorfschaften bis zur Ertragfähigkeit der Schulpflanzungen. Überall pflegt man nämlich die Kostschüler außerhalb der Schulstunden mit landwirtschaftlichen Arbeiten zu beschäftigen. Der Ertrag der Pflanzungen dient zur Verpflegung der Schüler. S.a. Internate, Regierungsschulen, Missionsschulwesen.

v. König.