Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 368

Korporationen. In den deutschen Schutzgebieten finden die dem bürgerlichen Rechte angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze und der daneben innerhalb Preußens im bisherigen Geltungsbereiche des preußischen Allgemeinen Landrechts in Kraft stehenden allgemeinen Gesetze Anwendung. Infolgedessen gelten in den Schutzgebieten auch die Vorschriften dieser Gesetze über die juristischen Personen(s. d.) des Privatrechts. Hiervon besteht jedoch die Ausnahme, daß die Grundsätze des Bürgerlichen Gesetzbuchs über Eingetragene Vereine keine Anwendung finden. Soweit sie ihren Sitz in den Schutzgebieten haben, können sie Rechtsfähigkeit nur durch Verleihung des Reichskanzlers (§ 13a SchGGes.) erlangen. - Andererseits ist im Schutzgebietsgesetz die Entstehung besonderer juristischer Personen, nämlich deutscher Kolonialgesellschaften (s.d.), vorgesehen. Sie erlangen durch Beschluß des Bundesrats Rechtsfähigkeit, nachdem ihr Statut vom Reichskanzler genehmigt worden ist. Deutsche Kolonialgesellschaften müssen die Kolonisation der deutschen Schutzgebiete zum ausschließlichen Gegenstand ihres Unternehmens und ihren Sitz entweder im Reichsgebiet oder in einem Schutzgebiet oder in einem Konsulargerichtsbezirke haben. Es genügt auch, daß der beabsichtigte Kolonisationsbetrieb in dem Hinterlande eines deutschen Schutzgebietes oder in sonstigen dem Schutzgebiete benachbarten Bezirken stattfinden soll. Dem Kolonisationszwecke ist die Übertragung von Hoheitsrechten in den deutschen Schutzgebieten durch Ksl. Schutzbrief (s. d.) gleichgestellt. - Die Gesellschaften, welche auf Grund des Schutzgebietsgesetzes vom Bundesrat Rechtsfähigkeit erlangt haben, unterstehen der Aufsicht des Reichskanzlers. Der Reichskanzler pflegt einen besonderen Kommissar für jede Gesellschaft zu bestellen. Da in den Schutzgebieten die öffentlich-rechtlichen Vorschriften des deutschen Rechts nicht eingeführt worden sind, gelten die gesetzlichen Bestimmungen über Entstehung öffentlichrechtlicher K. nicht. Juristische Personen des öffentlichen Rechts können aber auf Grund des §1 des SchGG. durch Kaiserliche Verordnung geschaffen werden. Meyer-Gerhard.