Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 356

Konkursverfahren. Das K. bezweckt die gleichmäßige Befriedigung der Gläubiger eines zahlungsunfähigen Schuldners. Es umfaßt das gesamte einer Zwangsvollstreckung unterliegende Vermögen, welches dem Gemeinschuldner zur Zeit der Eröffnung des Verfahrens gehört. Ein Konkurs ist auch zulässig im Falle der Überschuldung eines Nachlasses, einer Aktiengesellschaft usw. Das K. ist für das Reichsgebiet in der KO. (neue Fassung durch Bek. des RK. v. 20. Mai 1898, RGBl. S. 612) geregelt. Nach § 3 SchGG. in Verbindung mit §§ 19, 47 KonsGG. gilt die KO, welche in ihrem ersten Buche das Konkursrecht, im zweiten Buche das K. regelt und im dritten Buche Strafbedingungen gegen Konkursdelikte festsetzt, auch in den Schutzgebieten in vollem Umfange mit folgenden Maßgaben: Der Termin zur Beschlußfassung über die Wahl eines anderen Verwalters und über die Bestellung eines Gläubigerausschusses (§ 110 KO.) sowie der Vergleichstermin (§ 179 KO.), soll nicht über drei Monate hinaus anberaumt werden. Der Zeitraum der nach § 138 KO. zwischen dem Ablauf der Anmeldefrist und dem allgemeinen Prüfungstermine liegen muß, soll mindestens zwei Wochen und höchstens drei Monate betragen. Ferner tritt an die Stelle der in § 152 KO. bestimmten Ausschlußfrist und der in § 203 KO. bestimmten Widerspruchsfrist von zwei Wochen eine Frist von einem Monat. An die Stelle des Amtsgerichts, das im Inlande erstinstanzliches Organ der Konkursgerichtsbarkeit ist, tritt in den Schutzgebieten der Bezirksrichter (§ 7 KonsGG.). Beschwerdeinstanz ist das Ksl. Obergericht (§ 14 KonsGG.). Vorschriften über den Konkurs von Genossenschaften finden sich ferner noch im G., betr. die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften (GenG., RGBl. 1898 S. 810), welches gemäß § 3 SchGG., § 19 KonsGG. ebenfalls in den Schutzgebieten anwendbar ist.

Gerstmeyer.