Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 350 f.

Konde, Landschaft in Deutsch-Ostafrika, am Nordende des Njassa, ist einzuteilen in UnterK., eine im wesentlichen alluviale Niederung, und in Ober-K., ein Gebirgsland. K. bedeutet Ebene, umfaßt in der ursprünglichen Bedeutung nur Unter-K., dessen flaches, weiter im Norden leicht welliges Land sich in einer Ausdehnung von 700 qkm über den 478 m hohen Spiegel des Njassa nur wenig erhebt. Es ist das Produkt der Aufschüttung von 4 Flüssen, deren größter, der Ssongwe, die Grenze nach Süden und Südwesten gegen Britisch-Zentralafrika bildet. Nach Nordosten reicht Unter-X. bis zum Fuß des Livingstone- Gebirges (s.d. u. Tafel 115); nach Nordwesten steigt es in einem etwa 16 km breiten Gürtel mit dichtem Buschwald bedeckten, unbewohnten Landes gegen Ober-K. an, das etwa 1700 qkm umfaßt. Zu letzterem rechnen wir auch die Landschaft Poroto, nicht aber Malila. Das landschaftlich überaus schöne Hochland Ober-K. ist jungvulkanisches Gebiet, aufgebaut durch die Tätigkeit der Ngosi-, der Rungwe- und der Kiejogruppe. Der große Krater des Rungwe, dessen höchste Randteile zu 8176 m ü. M. emporragen, ist nur noch teilweise erhalten; nach SW ist er am stärksten zerstört; in seinem Mittelpunkt trägt er einen Eruptionskegel mit ganz frischen Formen. Der Rungwe ist nach den hohen Bergen im NO und NW die bedeutendste Erhebung Deutsch- Ostafrikas. Der etwa 2600 m hohe Hauptvulkan der Ngosigruppe hat einen Krater, dessen Wände ganz jäh um 400 m zum Spiegel des Ngosi- oder Wentzel-Heckmann- Sees abfallen. An solchen hervorragenden landschaftlichen Schönheiten ist das ganze Vulkangebiet überreich. Mindestens ein Dutzend malerischer Kraterseen sind über das Land zerstreut. - Unter-K. und der vulkanische Teil von Ober-K. füllen den südwärts vom Njassa (s.d.) eingenommenen Graben aus. Das vulkanische Land schließt die Hohlform völlig ab und überwallt zum Teil (s. Eltonplateau und -paß) die Höhen der Bruchstufen, die meist aus Urgneis bestehen. Westwärts schließen sich die vulkanischen Massen lückenlos an die Undali-Malila-Scholle (s. Undali).K. gehört zum Gebiet des kontinentalen Passatklimas. Neu-Langenburg, 1510 m ü. M. hat den Nov. mit 20,10, als wärmsten, den Juli mit 14,90 als kühlsten Monat (im Jahresmittel 17,80). Aber dank der lokalen Windsysteme hat K. keinen trockenen Winter, sondern auch in den Monaten, Juni bis Oktober Niederschläge. Hier zeigen sich deutlich die Beziehungen zum Njassa. Im folgenden die Regenmengen zweier Stationen von Unter-, dreier von Ober-K.

(S. auch die monatlichen Mengen von Neu-Langenburg unter Deutsch-Ostafrika 4, Tabellen.) Dieser Feuchtigkeit entspricht eine üppige Vegetation. Der ursprüngliche Wald hat freilich in Ober-K. meist bis zu etwa 1700 m hinauf dem Anbau seitens der Eingeborenen weichen müssen. Aber von da ab findet sich prächtiger Regenwald (s. Hochwald) (solcher wohl nur am Rungwe), darüber Höhenwald mit viel Bambus; dieser wird in der Wirtschaft der Eingeborenen sehr vielseitig benutzt. Die Bananenhaine sind so ausgebreitet, ihre Früchte spielen eine so große Rolle bei der Ernährung, daß man von einem Bananenland sprechen kann. Von Feldfrüchten werden besonders Mais, Bohnen, Sorghum, Eleusine, Bataten, Reis angebaut. Die Bewohner von K. sind eifrige Viehzüchter, besonders die Zahl der Rinder ist ziemlich groß. - Die K. -Leute (s. Wakonde) sind Bantu, zerfallen in mehrere kleine, einander verwandte Stämme, deren bedeutendster die Wanjakjussa (s.d.) sind. Die Zahl der K.leute darf auf 64000 geschätzt werden, wovon 40000 in Ober-K. leben; zu diesen kommen 8000 Waporoto in Poroto (s.o.). Das entspräche der Volksdichte 28, was nicht niedrig ist. Trotzdem sind in K. noch bedeutende Flächen für Europäer verfügbar, wahrscheinlich gegen 1000 qkm. K. gehört zum Bezirk Langenburg, dessen Hauptort Neu-Langenburg (s.d.) liegt mitten in Ober-K. 14 km sö. davon liegt Massoko in 1200 m Mh., der Sitz der 5. Kompagnie der Schutztruppe. Außerdem liegen in K. 4 Niederlassungen der ev. Berliner Missionsgesellschaft (s.d.) und 5 der Herrnhuter (s. Brüdergemeine).

Literatur: 8. Niassa, ferner W. Götze und A. Engler, Vegetationsansichten aus Deutsch-Ostafrika. Lpz. 1902. - H. v. Trotha, Begleitworte zu der Garnison - Umgebungskarte von Nassoko 1: 100 000. M. a.d.d. Sch. 26. 1918.

Uhlig.