Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 348

Komashochland, der Nordwesten des zentralen Hochlandes von Deutsch-Südwestafrika. Schon der Name weist auf die Natur dieses Gebiets, denn er bedeutet felsiges d. h. gebirgiges Land. Dieses Hochland wird begrenzt von dem Tale des Windhuker Riviers im Osten, von dem Swakoptale im Norden und von der zwischen Otjimbingue und dem oberen Kuiseb sich ausdehnenden Hochlandtafel im Westen. Seine Höhe beträgt am Ostrande an 1900 m, von dort an nimmt sie in mehreren durch mehrfache Bodenwellen voneinander getrennten Stufen auf etwa 1500 m ab. Noch in Heusis (s.d.) beträgt sie etwa ebensoviel wie die Höhe von Windhuk. - Infolge seiner östlichen Lage sowohl wie seiner eigenen Seehöhe gehört das K., das sich nach Süden in flachen Terrassen zum Bastardlande herabsenkt, zu den gut bewässerten Landschaften des mittleren Schutzgebiets. Seine Riviere (s.d.) sind trotz, ihrer Kleinheit oft gut gefüllt, und seine leicht gewellten Flächen bergen in Tälern und Felsbecken zahlreiche Wasserstellen. Seinem orographischen Bau nach entwässert es vorwiegend nach Westen und bildet somit das hauptsächliche Einzugsgebiet der obersten, den Kuiseb bildenden Rinnsale. Hinsichtlich der Pflanzenwelt unterscheidet es sich von dem Gebiet des Windhuker Flusses durch die Seltenheit der Dornbüsche und durch die größere Häufigkeit der Futterbüsche, die zwischen die weiten Grasflächen eingestreut sind. Diese Offenheit der Landschaft im Zusammenhange mit der Häufigkeit ergiebiger Wasserstellen, sowie endlich die Abgelegenheit des Gebietes, das abseits der besuchteren Verkehrswege liegt, war die Ursache, daß sich das Wild in diesen einsamen Gegenden lange Zeit hindurch in großen Beständen gehalten hat. Namentlich das Kuda sowie große Rudel von Kaama- und Oryxantilopen, ferner Zebras und vereinzelte Strauße, aber auch großes Raubwild belebten die einsamen Hochflächen noch zu einer Zeit, als sie in den Tallandschaften des Swakop sich nur noch in kleinerer Menge oder überhaupt nicht mehr zeigten. - Infolge des Wildreichtums und der Menschenleere war das K. bis vor nicht langer Zeit ein Hauptsitz freier Bergdamara (s.d.), zu deren wenig umstrittener Urheimat es ebensogut gehört wie das Erongogebirge. Hier war die zweite der Landschaften, in denen die Haukoin sich einer gewissen Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu erfreuen vermochten, und in der ihnen die Abgelegenheit des Landes eine ähnliche Freiheit gewährte wie die westlich von Omaruru sich hinziehenden, ehemals ebenfalls nur selten besuchten Hochländer. Wirtschaftlich hat das Komasland bis vor kurzem nicht die Rolle gespielt, die ihm seiner natürlichen Beschaffenheit nach eigentlich zukommt. Obwohl bereits vor dem Jahre 1890 ein bergmännisches Unternehmen sich mit der Bearbeitung der auch hier vorhandenen Kupfererzlager beschäftigt hatte (Matchlessmine), waren diese Arbeiten zunächst von keiner längeren Besiedelung gefolgt. Auch die Ausnützung der selbst für Schafe geeigneten guten Hochweiden beschränkte sich in früherer Zeit auf die Gründung eines befestigten Weidepostens der Truppe in Heusis (s.d.), der daneben auch militärische Aufgaben zu erfüllen hatte und infolge des 1893 ausgebrochenen Witboikrieges wieder aufgehoben wurde.

Literatur: H. v. François, Nama und Damara. Magdebg. - K. Dove, Südwestafrika, Kriegs- und Friedensbilder aus der ersten deutschen Kolonie. Berl. 1896.

Dove.