Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 322

Kolonialabteilung. Die kolonialen Angelegenheiten wurden anfänglich von einem besonderen Referat der politischen Abteilung des Auswärtigen Amts, seit dem 1. April 1890 von einer neu gebildeten - vierten - Abteilung des Auswärtigen Amts (Kolonialabteilung) bearbeitet. Sie unterstand zunächst einem Dirigenten, seit 1. April 1894 einem Direktor. Durch eine Allerh. V. vom 12. Dez. 1894 wurde "die gesamte Verwaltung der Schutzgebiete einschl. der Behörden und Beamten der K. des Auswärtigen Amts unterstellt, welche die darauf bezüglichen Angelegenheiten unter dieser Bezeichnung und unter der unmittelbaren Verantwortlichkeit des RK. wahrzunehmen hat". Soweit nicht politische Angelegenheiten in Frage kamen, bildete demnach die K. tatsächlich eine dem Auswärtigen Amte gleichgeordnete, Reichsbehörde. Eine Oberste Reichsbehörde im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen war sie jedoch nicht. (Vgl. auch Helfferich, Zur Reform der kolonialen Verwaltungsorganis. Berl. 1905.) Der erste Leiter der K. war Kayser (s.d.) bis 1896. Ihm folgten Frhr. v. Richthofen (s.d.) bis Ende 1897, v. Buchka (s.d.) 1898-1900, Stübel (s.d.) 1900 bis Nov. 1905, Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg (s.d.) Nov. 1905 bis Sept. 1906, dann Dernburg (s.d.), der erster Staatssekretär des Reichs-Kolonialamts wurde. 1907 trat an Stelle der K. das Reichs-Kolonialamt (s. d.).

v. König.