Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 317

Kokosfasern oder Koir sind die in der Fruchtschale der Kokosnuß enthaltenen Fasertränge, die etwa ein Drittel der Masse ausmachen. Sie werden fast überall, wo Kokospalmen (s.d.) gepflanzt werden, von den Eingeborenen zur Herstellung von Stricken und Flechtwerk verwendet. Zum Export nach Europa wird die K. aber fast allein in Vorderindien, Ceylon und den Straits Settlements im großen aufbereitet und zum Teil zu Garnen versponnen. Die Fasern sind am wertvollsten in nicht ganz reifen Nüssen, in überreifen haben sie ihre Festigkeit zum Teil verloren. Zur Gewinnung der K. wird die Schale einem Röstprozeß unterzogen, um die feineren Gewebselemente zwischen den einzelnen Fasersträngen zu zerstören. Dazu bringt man das Material in 2 1/2 m tiefe, 4 m lange und 2 1/2 m breite, mit Wasser gefüllte Zisternen, in denen die Fasern so lange bleiben (1-3 Tage), bis sie für die weitere Bearbeitung geeignet sind. Sie werden dann meist mit Maschinen gehechelt, noch einmal gewaschen und schließlich getrocknet. Die so fertiggestellte Ware wird nun durch Kämmen in langfaserige und kurzfaserige Sorten getrennt. Die langen geben die sog. Bristlefiber, die etwas längeren Abfälle heißen Mattrassfiber und die kurzen Ballotfiber; der staubartige Rest, Waste coconut, findet als guter Dünger Verwendung. Die einzelnen Faserstränge haben eine Länge bis zu etwa 30 cm und 3/10 bis 1 mm Stärke; sie sind meist von gelbbrauner bis dunkelbrauner Farbe. In erster Linie werden sie zu Stricken verarbeitet, wozu sie sich wegen ihrer Elastizität und Leichtigkeit besonders eignen. Nachdem man schon seit Jahren aus K. sehr haltbare Fußmatten und Läufer herstellt, macht man in neuerer Zeit auch sehr geschmackvolle Zimmerteppiche aus Kokos, da es gelungen ist, die Fasern haltbar zu färben. Der Export aus Ceylon beläuft sich auf etwa 10000 t an Fasern, Stricken usw. Davon importierte Hamburg 1913 etwa 2500 t Fasern für 600 000 M und rund 13 500 t Kokosgarn für 5 1/2 Mill. M.

Literatur: P. Preuß, Die Kokospalme und ihre Kultur (222 p.). Berl. (Reimer) 1912. E. Prudhomme, Le cocotier (492 p.). Paris (Challamel) 1906. - H. H. Smith u. F. A. G. Pape, Coconuts, the Consols of the East (506 p.). Lond. (Tropical Life) 1912.

Voigt.