Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 304 f.

Kirchliche Missionsgesellschaft (Church Missionary Society, abgekürzt C.M.S.). Diese größte Evangelische Missionsgesellschaft, die sich anfänglich Society for missions to Africa and the East genannt hat und seit 1812 den Namen The Church missionary Society for Africa and the East führt, ist eine Frucht der religiösen Erweckungsbewegung in England am Ende des 18. Jahrh. und in ausgesprochenem, aber nicht feindlichem Gegensatz zu der independentistischen Londoner Missionsgesellschaft 1799 in London begründet worden (Sitz: London, Salisbury Square, E. C.). Die Gesellschaft steht auf dem Boden der anglikanischen Kirche und wird von der "evangelischen Partei" in deren Mitte getragen. 1841 wurde durch ihren bedeutenden Direktor Henry Venn (1841-1873) der Anschluß der Gesellschaft an die Organisation der Staatskirche vollzogen, demzufolge die Arbeitsgebiete der C. M. S. den Bischöfen dieser Kirche untergeordnet sind. Die Statuten der Gesellschaft bestimmen (§ 2), daß das Patronat über die C. M. S. für Mitglieder der königlichen Familie reserviert werden soll und das Vizepatronat dem Erzbischof von Canterbury, falls er Mitglied der Gesellschaft ist, daß der Präsident ein Mitglied des Oberhauses oder Unterhauses sein soll, daß zu Vizepräsidenten alle Erzbischöfe und Bischöfe der Kirche von England gemacht werden sollen, die Mitglieder der Gesellschaft sind und das Amt annehmen wollen, sowie dazu besonders ernannte Personen. Daneben aber bezeichnet die C. M. S. als ihre Aufgabe (§ 31): "freundliche Beziehungen zu anderen protestantischen Missionsgesellschaften zu unterhalten" und hat diesen Grundsatz auch praktisch verwirklicht. In allen Erdteilen hat die Gesellschaft mehr oder weniger große Arbeitsfelder: in Afrika (Sierra Leone, seit 1804; - West-Äquatorialafrika: 1. Jorubaland, seit 1846; 2. Nigerdistrikt, seit 1857; 3. Nord-Nigeria, seit 1865; Ostafrika: 1. Britisch-Ostafrika, seit 1844; 2. Deutsch-Ostafrika, seit 1880 (s. Mission 2, evangelische); Uganda, seit 1876; Ägypten und Sudan, seit 1882); in Asien (Palästina, seit 1851; Türkisch-Arabien, seit 1883; Persien, seit 1875; Britisch-Indien, seit 1813; Ceylon, seit 1818; China, seit 1844; Japan, seit 1869); Amerika (Kanada, seit 1822; Britisch-Kolumbia, seit 1857).

Literatur: E. Stock, The History of the Church Missionary Society. London 1899, 3 vols. The Church missionary Atlas, 8. Ed. London 1896. - Proceedings of the Church Missionary Society, 113 Year. London 1912. - S. Missionszeitschriften.

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