Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 260

Kettenstrafe. Nach der Vf. des RK. wegen Ausübung der Strafgerichtsbarkeit und der Disziplinargewalt gegenüber den Eingeborenen in den deutschen Schutzgebieten von Ostafrika, Kamerun und Togo vom 22. April 1896, KolBl. S. 241 (für Deutsch- Südwestafrika in Wirksamkeit gesetzt durch V. des Landeshauptmannes vom 8. Nov. 1896, KolGG. Bd. 2 S. 294) ist die K. die schwerste Art der gegen Eingeborene zulässigen Freiheitsstrafen (s.d.). Sie entspricht etwa der heimischen Zuchthausstrafe. Der Name rührt daher, daß die Gefangenen namentlich auch bei der Arbeit im Freien, um ein Entweichen zu verhindern, mit Ketten gefesselt werden. Die Fesselung geschieht in doppelter Art. Entweder werden eine Reihe von Gefangenen mit Ketten, welche durch Halsringe laufen und am Ende mit einem Schloß versehen sind (Halsketten) aneinander gefesselt, oder es findet Fußfesselung des einzelnen Gefangenen statt, indem zwei um die Knöchel gelegte Eisenringe durch eiserne Glieder mit einem um den Leib in der Gürtelgegend getragenen Strick oder Gurt verbunden werden. Über die Vollstreckung der K. sind für die einzelnen Schutzgebiete im Wege der Dienstanweisung nähere Vorschriften erlassen. Für Ostafrika: RErl. des Gouv. vom 10. Febr. 1904 betr. an Indern zu vollstreckende Kettenhaft (LandesGG. Bd. II S. 202), vom 7. Juni 1911 betr. Strafvollstreckung an entlassenen Askari (ebenda) und vom 9. Nov. 1906, betr. die Verpflegung und Behandlung der Kettengefangenen (ebenda S.206); für Kamerun: Dienstanw. des Gouv. Vom 27. Sept. 1911 betr. die Vollstreckung von Freiheitsstrafen an Eingeborenen (LandesGG. S. 838); für Togo: Nr. 2 der Dienstanw. des Gouv. vom 10. Jan. 1906 betr. die Ausübung der Strafgerichtsbarkeit und der Disziplinargewalt gegenüber den Eingeborenen (LandesGG. S. 198) und V. des Gouv. Vom 13. Juli 1909 betr. die Anwendung von Disziplinarstrafmitteln im Gefängnisbetriebe (Amtsbl. S. 206).

Gerstmeyer.