Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 243

Karruformation (Karrooformation) ist die Bezeichnung eines außerordentlich (ca. 5500 m) mächtigen Schichtenkomplexes, der in Südafrika weit verbreitet ist und dadurch besondere Wichtigkeit besitzt, daß in ihm die afrikanischen Steinkohlenlager eingeschaltet sind. Im geologischen Alter entspricht die K. etwa den Schichten vom Permokarbon bis zum obersten Rhät inklusive, also dem Schluß der paläozoischen und dem Anfang der mesozoischen Zeit. Die K. wird gegliedert in eine untere Abteilung (Eccaschichten mit dem Dwykakonglomerat), deren bezeichnendstes Schichtenglied das Dwykakonglomerat ist, eine alte, zum Teil stark umgewandelte und verhärtete, aber typische, glaziale Grundmoräne (= Tillit) mit geschliffenen Geschieben, die zum Teil auf einem abgehobelten und glazial geschliffenen und geschrammten Untergrund liegt und vermöge ihrer außerordentlich charakteristischen Beschaffenheit überall leicht wieder erkannt werden kann. Richtung und Beschaffenheit der Schrammen im Untergrunde sowie die Beschaffenheit der erkennbaren Geschiebe beweist, daß die Vereisung, die das Dwykakonglomerat abgelagert hat, aus dem Norden (der inneren Kalahari), nicht aus dem Süden gekommen ist. Die Eccaschichten bestehen aus Sandsteinen und aus zum Teil schwarzen, stark kohlehaltigen Tonschiefern, die im Hoogveld Transvaals sogar reichliche und abbauwürdige Kohlenflöze enthalten. Die mittleren Karruschichten oder Beaufortschichten bestehen aus mächtigen Lagen von Sandsteinen und Schiefern sowie aus sehr erheblichen Lagern und Decken von Diabasen. Die obere Abteilung der K., die Stormbergschichten bestehen aus vorwiegend rot gefärbten Sandsteinen, Tonschiefern, Mergelschiefern usw., die z. B. überraschende Ähnlichkeit mit der nordeuropäischen Trias (Keuper) haben und die in Natal reiche und wertvolle Kohlenflöze enthalten, sowie ebenfalls aus mächtigen vulkanischen Ergüssen. Die Fossilien der K. bestehen zum Teil aus einer sehr charakteristischen Pflanzengesellschaft (Glossopterisflora), zum Teil aus sehr merkwürdigen Landreptilien (Dicnodonten, Theriodonten). Die K. Deutsch- Ostafrikas besteht aus mächtigen, groben Konglomeraten, die zum Teil direkt dem Grundgebirgsgneis auflagern (Njassagebiet und am Uluguru) und aus mächtigen dickbankigen Sandsteinen in der 400-800 m mächtigen liegenden Abteilung; aus einer mittleren 20- 80 m mächtigen kohlenführenden Abteilung (s. Steinkohle) und aus einer 300-600 m mächtigen hangenden Schichtenfolge, die aus Schiefertonen, Mergelschiefern, schiefrigen und kalkhaltigen Sandsteinen, Mergeln und unreinen, fossilfreien Kalken besteht. Als einzige Fossilien haben sich darin Vertebrarien (Wurzelbildungen von Glossopterisfarnen) und Markkörper von Farnen, Schizoneura-Arten sowie Blattreste von Glossopteris gefunden; im Nordwesten von Tanga auch Reste von Voltziopsis sp. und Ullmannia brachyphyllum, wodurch ihr Alter als Karruschichten sichergestellt ist. Die Karruschichten Südwestafrikas enthalten neben dem unverkennbaren Dwykakonglomerat schwarze Tonschiefer (Eccaschiefer) mit Resten von Conularia sp. und Eurydesma globosum, einem höchst merkwürdigen Fossil, das ebenfalls für Permokarbonschichten bezeichnend ist, sowie die Karrusandsteine, meist milde, helle, zerreibliche, glimmerreiche Sandsteine mit ganz minimalen Kohlenflözchen.

Gagel.