Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 242

Karru (Karroo). Unter K. versteht man die fast die Hälfte der inneren Kapkolonie einnehmenden Hochländer, die sich von der südlichen Küstenzone bis zum Oranjefluß (s.d.) erstrecken und in ihren mittleren Teilen rund 700, im Norden dagegen bis zu 1200 m Höhe haben. Ihre größte Ausdehnung erreichen sie im westlichen Teile des Kaplandes. Die Geologen kennen eine eigene K.formation (s.d.), die für jene Gegenden bezeichnend ist. Sie besteht aus mächtigen Ablagerungen schwärzlicher und bunter Schiefer, aus Mergelschiefern, Schiefertonen, sowie aus Sandsteinen und schieferigen Sandsteinen, seltener dagegen aus Kalksteinen. In unserem südwestafrikanischen Schutzgebiete ist sie nach unserer heutigen Kenntnis nur in der Mittelzone des Groß- Namalandes zwischen dem 240 und 270 s. Br. in einem nicht sehr breiten, östlich vom Großen Fischflusse liegenden Streifen vorhanden. - Das Klima der K., die als außerordentlich gesund gilt und in der eine ganze Reihe von Orten selbst von Europa aus von Lungenkranken aufgesucht werden, erinnert in seiner Temperatur sehr an die Hochländer von Groß-Namaland. Die Niederschläge dagegen, die ziemlich gleichmäßig über das Jahr verteilt sind, ähneln zwar an durchschnittlicher Ergiebigkeit denen desselben Gebiets und nehmen ebenso, wie dort in westöstlicher Richtung zu. Sie sind aber noch ungünstiger als dort verteilt, weil die mittlere Ergiebigkeit der einzelnen Regenfälle eine geringere ist als auf deutschem Gebiet. -Infolgedessen ist die Pflanzendecke der K., die sich im Nordwesten durch die größte Dürftigkeit auszeichnet, durch die Seltenheit des Graswuchses und die Häufigkeit von Sukkulenten und kleinen Büschen besonders bezeichnend. Namentlich diese bilden ein gutes Viehfutter, so daß selbst da, wo sie nur ganz vereinzelt sich finden, wie im Nordwesten des Kaplandes, die Landschaft immer noch beweidet werden kann. Diese für die K. charakteristische Vegetation findet sich in weiter Verbreitung auch auf den Hochflächen des Groß - Namalandes. Diese Ähnlichkeit verdient um so mehr erwähnt zu werden, als das britische K.gebiet sich wegen der Verbreitung dieser Pflanzen als ein vortreffliches Land für Wollschafzucht und für die Haltung der Angoraziegen, erwiesen hat.

Literatur: A. Schenck, Die geologische Entwicklung Südafrikas, Peterm. Mitt. Gotha 1888. - K. Dove, Das Klima des außertropischen Südafrika. Götting. 1888. -H. Bolus, The Flora of South- Africa, in J. Noble, Official Handbook of the Cape and South-Africa. Kapstadt 1893.

Dove.