Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 241

Karolinen, Marianen und Palauinseln (Apostol. Vikariat). Missionsgebiet der deutschen Kapuziner (s.d.), im Jahre 1911 zum Vikariat erhoben. Die seit 1885 daselbst tätigen spanischen Kapuziner wurden 1904 durch die rheinischwestfälische Ordensprovinz abgelöst. Das Werk der Bekehrung wird sehr durch den Aberglauben und die sittliche Verwilderung der Bevölkerung der Karolinen und Palauinseln erschwert. Das Lehnswesen und die zahlreichen Ehescheidungen bieten auch den christlich gewordenen Eingeborenen noch große Gefahren, und so kommt es, daß auch auf den schon 100 Jahre christlichen Marianen viel zu tun bleibt. Auf den Karolinen und Palauinseln sind 14 Priester, 13 Brüder und 10 Schwestern (Barmherige Schwestern vom hl. Franz v. Assisi, s.d.) tätig und 2139 Christen gesammelt. Wegen der Unzugänglichkeit vieler Erwachsenen legen die Missionare besonderes Gewicht auf die Sorge für die Jugend. Man zählt 21 Schulen mit 644 Knaben und 325 Mädchen; 6 Internate sorgen für christliche Erziehung. Als Unterrichtssprache wird das Deutsche nach Möglichkeit gepflegt. Verschiedentliche Bücher in der Jap- und Palausprache wie auch im Chamorro sind schon verfaßt worden. In Ponape arbeitet ein Sägewerk nebst anderen wirtschaftlichen Anlagen (s. Tafel 140) für die Bedürfnisse der Kolonie. Ein Sturm hat 1905 an 5 Stationen großen Schaden verursacht, der bekannte Aufstand zerstörte ebenfalls 2 Stationen. Im Anschluß daran machten sich die PP. Ruppert und Rüdelt um den Friedensabschluß sehr verdient. Der in der Presse erhobene Vorwurf, die Missionare seien am Aufstand mitschuldig gewesen, hat sich als gegenstandslos herausgestellt. Von den 19 Stationen gehören 5 zu Ponape, 7 zu Jap, 5 zu Palau, 1 zu Mortlock und 1 zu Truk. Auf den Marianen sodann sind 3 Priester und 3 Laienbrüder auf 3 Stationen tätig. Mit Ausnahme von 500 Karolinern (Heiden) auf Saipan sind die Bewohner katholisch (2591 Katholiken). Auf Rota besteht eine Schule mit 75 Schülern, in Saipan eine Regierungsschule. Ein Taifun hat auch 1911 einige Anlagen vernichtet. Zum Vikar des neu errichteten Vikariats wurde kürzlich P. Salvator Walleser O. C. ernannt.

Literatur: Jahresberichte (Aus den Missionen der rheinisch- westfälischen Ordensprovinz auf den Karolinen, Marianen und Palauinseln in der deutschen Südsee) von 1905 bis 1912. Kathol. Missionskorrespondenz, Berl. 1912 Nr. 1. -Schmidlin, Die katholischen Missionen 1913. 197 ff. - Mirbt, Mission und Kolonialpolitik, Tübingen 1910, 64 f. - Fritz Ad majorem Dei gloriam, 1912. -P. Kilian Müller, Ponape im Sonnenlicht der Öffentlichkeit, 1912.

Schmidlin.