Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 226

Kaokoveld. Das K. bildet die der Küste parallel verlaufende Westlandschaft des nördlichen Deutsch-Südwestafrika, deren Ostgrenze im allgemeinen durch die Wasserscheide zwischen dem Kalaharigebiet und dem Atlantischen Ozean bestimmt wird. Nur der Oberlauf des südlichen Riviers, des Ugab, bildet eine Ausnahme. So fällt das Gebiet fast durchaus in die Urgesteinszone, innerhalb welcher die an vereinzelten Stellen auftretenden geschichteten Gesteine ganz in den Hintergrund treten. - Für die Entwicklung des orographischen Baues sind die Flüsse maßgebend gewesen. Diese haben in das an sich nicht sehr hohe Gebiet, das mit Ausnahme eines in der Nähe des Kunene sich erhebenden Hochlandes von wohl 1600 m Mittelhöhe selbst auf der Wasserscheide kaum über 1200 m emporsteigt, in eine Reihe von Tafeln und Klötzen zerschnitten, die in ihren Ausläufern wie riesenhafte Festungen und Bastionen in die Namib vorspringen. Weite Täler, deren unterste Flächen oft noch einige Kilometer in der Breite Messen, sind bisweilen mehrere hundert Meter tief in das Hochland eingesenkt. Infolge der Arbeit der Flüsse ist an den Angriffen des Wassers besonders ausgesetzten Stellen ein reger Wechsel der Landschaftsformen entstanden, wie er in diesem Grade in anderen Gegenden der Kolonie nicht angetroffen wird. - Klimatisch bildet das K eine eigenartige Landschaft namentlich insofern, als in den tiefen und geschützten Tälern eine fast tropische Wärme herrscht. Infolgedessen reicht hier die Hyphaene, die Palme des Schutzgebiets, trotz der Nähe des Meeres bis über den 20. Breitengrad hinaus nach Süden. Anderseits sind die Niederschläge selbst im Innern des Kaokogebietes ziemlich gering. Sie gehen selbst auf den östlichen Hochflächen kaum über 80 cm Jahresmenge hinaus. Auf diesen ist infolgedessen eine offene, nicht sehr dicht bestandene Grasweide überwiegend, dazwischen nehmen auch die mit Halbsträuchern untermischten Flächen reichlichen Platz ein. In den Flußweitungen jedoch findet sich infolge ihrer Ausdehnung, reicheres Weideland und auch sonst kräftiger Pflanzenwuchs. - Diese abgelegene Landschaft, die in manchen Gegenden von Europäern nur selten besucht wurde, galt bis vor kurzem als wildreich. In der Tat war sie noch vor einigen Jahren als Zufluchtsort für einzelne Arten Großwild, darunter das Rhinozeros und die Giraffe, bekannt und wurde bisweilen das Ziel größerer Jagdexpeditionen. Dem großen Wilde tat auch die geringe, aus Swartboihottentotten (s.d.) und Bergdamaras (s.d.) bestehende Bevölkerung, zwischen denen noch die Owatjimba, ein verarmter Hererostamm (s. Herero), leben, weniger Abbruch, als dies in den mittleren und südlichen Gegenden der Fall gewesen war. Auch heute noch gehört das K. zu den wirtschaftlich am wenigsten entwickelten und erst sehr schwach besiedelten Landschaften des Schutzgebiets, ein Zustand, der um so erklärlicher ist, wenn man berücksichtigt, daß es nächst der östlichsten Omaheke am weitesten von allen Verkehrslinien des Schutzgebietes entfernt liegt.

Literatur: G. Hartmann, Das Kaokogebiet in Deutsch-Südwestafrika auf Grund eigner Reisen und Beobachtungen, ZGErdk. Berl. 1897, Bd. d. Verhdlgn. -Ders., Beitrag zur Hydrographie und Orographie des nördlichen Kaokofeldes. Lpz. 1904.

Dove.