Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 165

Kakteen, sukkulente Pflanzen, die nur selten flache oder zylindrische Blätter besitzen, in der Regel nur aus einem kugel-, kegel- oder säulenförmigen, blattlosen, bedornten Stamm bestehen, an dem flügelartige Rippen oder Polster hervortreten, die den aus vielen Kelch-, Blumen- und Staubblättern gebildeten Blüten ihren Ursprung geben. Die Frucht ist eine Beere. Heimisch ist die Familie der K. im mittleren und südlichen Amerika, in der ganzen übrigen Welt, im tropischen Afrika, kommt wild nur die eine Gattung Rhipsalis mit ein oder zwei, epiphytisch lebenden, einer blattlosen Mistel gleichenden Arten vor. Was Laien in den deutschafrikanischen Kolonien K. nennen, sind ihnen im Wuchs gleichende Euphorbiaceen (s.d.), gelegentlich auch Asklepiadaceen, die beide Milchsaft besitzen, der den wahren K. fehlt. Durch die Kultur verbreitet und vielfach verwildert ist von echten K. besonders die Kaktusfeige (Opuntia Ficus indica). In Trockengebieten (Süditalien, Nordafrika, Togo, Deutsch-Südwestafrika, Australien) hat sie stellenweise die ursprüngliche Vegetation völlig unterdrückt. Man benutzt sie der leichten Vermehrbarkeit wegen - jedes in die Erde gesteckte Stengelglied bewurzelt sich schnell als Heckenpflanze, ihre Früchte sind eßbar. Von dornenlosen K., Züchtungen des Amerikaners W. Burbanck, erwartete man viel als Futterpflanzen für dürre Erdstriche, sie haben sich aber nicht bewährt, da sie in bedornte Formen zurückschlagen.

Literatur: K. Schumann, Gesamtbesehreibung der Kakteen. Neudamm 1897/98.

Völkens.