Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 139

Käfer oder Coleopteren nennt man Insekten mit beißenden Mundwerkzeugen, und zwei nebeneinander liegenden, den Hinterleib schützenden, festen Flügeldecken (s. Tafel 67/68 Abb. 25-28). Ihre Verwandlung ist eine vollkommene. Die Beine der Larven sind kurz und mit nur einer Kralle versehen (s. Tafel 67/68 Abb. 29), seltener fehlen die Beine ganz. Folgende Familien sind in unsern Kolonien für den Laien von besonderem Interesse: Durch stark verkürzte, mehrere Körperringe freilassende, gestutzte Flügeldecken zeichnen sich die Kurzflügler und die durch eine sehr dicke Fühlerkeule von diesen sich unterscheidenden Totengräber (s. Aasinsekten) aus, durch dreigliedrige Tarsen und fast halbkugeligen Körper die Marienkäfer (s.d.). Sind an den vier Vorderbeinen 5 Tarsenglieder, an den Hinterbeinen deren 4 vorhanden, so hat man meist einen Dunkelkäfer (eine Tenebrionide) vor sich. Sind 4 Tarsenglieder an allen Beinen vorhanden und ist das vorletzte Glied vom Ende aus tief ausgerandet (s. Tafel 67/68 Abb. 26 u. 27), so liegt eine der zahlreichen Formen vor, welche sich meist von lebenden Pflanzenteilen nähren. Unter diesen zeichnen sich die Bockkäfer (s.d.) durch kurzbehaarten, gestreckten Körper und meist borstenförmige Fühler (s. Tafel 67/68 Abb. 27), die Rüsselkäfer (s.d.) durch einen mehr oder weniger rüsselförmig verlängerten Kopf und meist durch gebrochene Fühler (s. Tafel 67/68 Abb. 26) aus, während die Blattkäfer (s.d.) meist mehr oder weniger stark glänzen, einen mehr gedrungenen Körper und keinen Rüssel besitzen. Die kurz zylindrisch gestalteten Borkenkäfer (s.d. u. Tafel 67/68 Abb. 25) haben, wie der Rüsselkäfer, gebrochene Fühler und vier Tarsenglieder, das vorletzte Glied der letzteren ist aber nicht zweilappig. Alle andern Käfer haben 5 Tarsenglieder an allen Beinen (s. Tafel 67/68 Abb. 28). Unter ihnen zeichnen sich die Blatthornkäfer (s.d. u. Tafel 67/68 Abb. 28) durch eine blättrige, 3- bis 5-gliedrige Fühlerkeule aus, die Kolbenwasserkäfer, Aaskäfer und Speckkäfer durch eine kolbige Fühlerkeule. Bei den im Kot oder Wasser lebenden Kolbenwasserkäfern (s. Wasserkäfer) sind die Fühler verhältnismäßig kurz, nicht doppelt so lang wie die Taster; bei den Speck- und Aaskäfern sind die Taster dagegen nicht halb so lang wie die Fühler. Bei den Speckkäfern (s.d.) sind die Fühler unter den Seiten des Kopfes und Halsschildes verborgen, und hinter den Hinterhüften befinden sich nur 5 Bauchringe, von denen der letzte hinten gerundet ist; bei den Aaskäfern (s.d.) stehen die Fühler weit nach den Seiten vor, und hinter den Hinterhüften sind 6 Bauchringe erkennbar. Bei den Pochkäfern (s. Holzwürmer) sind die drei Endglieder der Fühler länger als dick und machen zusammen mindestens ein Drittel der ganzen Fühlerlänge aus. - Alle andern Käfer mit 5gliedrigen Tarsen haben borstenförmige, allenfalls kammförmige Fühler. Unter ihnen zeichnen sich die das Wasser nur gelegentlich verlassenden Wasserkäfer (s.d.) durch stärk behaarte Hintertarsen aus. Die Rückenhaare des vorletzten Tarsengliedes gehen über den Endrand des Endgliedes hinaus. Bei den Weichkäfern ist das vorletzte Tarsenglied vom Ende aus tief ausgeschnitten, und bei den Prachtkäfern (s.d.) ist das breiteste Glied der Hintertarsen, von unten gesehen, breiter als lang. Es bleiben dann noch Schnellkäfer, Manilakäfer, aufkäfer und Sandkäfer, mit schlanken Tarsengliedern. Unter diesen zeichnen sich die Laufkäfer (s.d.) und Sandkäfer durch das nicht dicht behaarte Grundglied der Fühler aus, die Sandkäfer (s.d.) von den Laufkäfern dadurch, daß die Fühler nicht unter einer Kopfwulst eingelenkt sind. Die Schnellkäfer (s.d.) mit dicht behaartem Grundglied der Fühler unterscheiden sich von dem kleinen Manilakäfer (s.d.) dadurch, daß der Hinterrand des Halsschildes hinten jederseits etwas nach hinten ausgezogen ist.

Dahl.