Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 115

Ixtle. Unter dem Namen I. oder Mexicanfibre kommt aus Mexiko eine kürzere, steifere Agavenfaser (s. Agaven) seit Jahren in beträchtlichen Mengen in den Handel und erzielt in guten Qualitäten ganz annehmbare Preise. Die Faser eignet sich wegen ihrer größeren Steifheit als Ersatz der Borsten und Roßhaare für die Pinsel-, Bürsten- und Roßbaarindustrie. Sie wird meist zusammen mit Piassave (s.d.) in besonderen Fabriken aufbereitet. Über die Stammpflanzen herrschte bis vor kurzem noch große Unsicherheit, bis durch die unten zitierte Arbeit Genaueres darüber bekannt wurde. Ein Teil der I. stammt von zwei kleinblättrigen Agaven, A. heteracantha und A. lopantha. Sie werden unter dem Namen Lechuguilla Ixtle zusammengefaßt und im Handel I. de Tula und I. de Jaumave genannt. Der Name weist auf die Kleinblättrigkeit der Pflanzen hin. Die sog. Palma Ixtle stammt nicht von Agaven, sondern von verschiedenen Yuccaarten und von der Liliacee Samuela Carnerosana. Die Espadin genannten Fasern, die meist als I. im Handel gehen, werden von zwei kleinen Agaven, A. falcata und A. striata, geliefert. Die Tequila- oder Mezcalixtle hat wiederum eine Agave, A. Tequilana, zur Stammpflanze. Außerdem gibt es noch eine Reihe von kurzblättrigen Agaven, die ähnliche Fasern führen und in geringem Maßstabe lokal genutzt werden. Von einer regelrechten Kultur, wie bei den Sisalagaven (s.d.) kann selbst bei den die Haupthandelsware liefernden Lechuguilla nicht die Rede sein. Die Nachfrage nach diesen Fasern ist aber anscheinend im Steigen begriffen, so daß ein rationeller Anbau sich empfehlen dürfte. Für die Kultur und Aufbereitung dürfte das für Sisal (s.d.) Gesagte gute Fingerzeige geben. Für Mexiko steht die I. in der Ausfuhr an dritter oder vierter Stelle. Die Gesamtausfuhr beträgt etwa 20000 tons im Werte von 15 Mill. M.

Literatur: Dr. R. Endlich, Der Ixile und seine Stammpflanzen im: Tropenpflanzer IX, 1908, Beihefte, p. 221- 283.

Voigt.