Deutsches Kolonial- Lexikon(1920), Band II, S. 99 f.

Institut Colonial International. Als infolge der großen Ausdehnung der kolonialen Expansion in den 80er Jahren alle Kolonialvölker vor gleiche oder verwandte Aufgaben gestellt waren, mußte der Wunsch entstehen, eine internationale Zentralstelle zu schaffen, bei der ein Gedankenaustausch über kolonialpolitische Erfahrungen und ein Vergleich der kolonialen Gesetzgebung erfolgen könnte, nicht in der Form wissenschaftlich meist wenig ergiebiger internationaler Kongresse, sondern durch eine dauernde Organisation sachkundiger Mitglieder nach dem Vorbild des internationalen statistischen Instituts und ähnlicher Vereine. Dieser Gedanke gewann zuerst Form in einem kleinen Kreise holländischer, französischer und belgischer Kolonialpolitiker, unter denen vor allem der bedeutende holländische Kolonialpolitiker Fransen van de Putte (der Haupturheber der großen Reformen in Niederländisch-Indien), Leon Say und J. Chailley aus Frankreich, aus Belgien Thys, der Erbauer der Kongobahn, und der frühere Generalgouverneur des Kongo, Cam. Janssen, zu nennen sind, zu denen aus England der halbe Holländer Lord Reay und Sir Alfred Lyall kamen. Diese Männer begründeten am 8. Jan. 1894 das 1. C. I., das sich bald durch Zuwahl aus allen wichtigeren Kolonialvölkern ergänzte und seitdem fast jedes Jahr seine Tagungen in den verschiedenen interessierten Ländern gehalten hat (in Deutschland 1897, 1904 und 1911). Der Zweck des I. C. 1. ist rein wissenschaftlich, ohne amtlichen oder politischen Charakter. Es will neben der Herstellung persönlicher Beziehungen zwischen den kolonialwissenschaftlich interessierten Angehörigen der verschiedenen Völker vor allem das vergleichende Studium des Kolonialwesens fördern durch Sammlung und Veröffentlichung von Gesetzen und Berichten über koloniale Angelegenheiten. Auf der Schriftenpublikation liegt das Schwergewicht der Tätigkeit des Instituts. Diese Veröffentlichungen bestehen 1. in den Berichten über die Verhandlungen; regelmäßig mit eingehenden Gutachten über die zur Diskussion stehenden Fragen. Bis 1913 16 Bände-, 2. der Bibliothèque Coloniale Internationale, von der bisher 10 Serien mit 31 Bänden, im wesentlichen Sammlungen von Gesetzen der Kolonien über bestimmte Gegenstände; 3. dem alle zwei Monate seit 1911 erscheinenden Recueil International de Législation Coloniale, einer fortlaufenden Sammlung der wichtigsten Kolonialgesetze. Um dem I. C. L diese ausgedehnte Tätigkeit zu ermöglichen, erhält es Unterstützung von allen wichtigeren Kolonialstaaten. Sein Sitz ist in Brüssel. Träger der Kontinuität in seinen Arbeiten ist der Generalsekretär, dessen Amt von Anfang an Cam. Janssen wahrgenommen hat.

Rathgen.