Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 90

Immunität bezeichnet allgemein die Unempfänglichkeit gegen eine Infektion mit bestimmten Krankheitserregern. Die I. kann (seltener) angeboren sein (Rassen-, individuelle I.), besser bezeichnet als natürliche Resistenz oder angeborene Widerstandsfähigkeit; sie wird aber meistens erworben, und zwar entweder natürlich durch Überstehen der betreffenden Krankheit oder künstlich durch Schutzimpfung. - Ebenso wie wir Infektions- und Intoxikationskrankheiten unterscheiden, kann man auch von einer Bakterien- oder antiinfektiösen I. (gegen die lebenden Bakterien [s.d.] selbst), z.B. bei Typhus und einer Gift- oder antitoxischen I. (gegen Bakterien- sowie tierische und pflanzliche Gifte) reden, z.B. bei Diphtherie. Die I. kann eine dauernde, absolute oder eine vorübergehende von mehr oder minder langer Dauer sein. - Das Wesen der I. ist in dem Auftreten von spezifischen Schutzstoffen begründet, die sich im Organismus zur Abwehr gegen die betreffenden Krankheiten zu bilden pflegen, sowohl bei der natürlich wie bei der künstlich erworbenen I.; dazu kann noch eine Erhöhung der natürlichen Widerstandsfähigkeit des Organismus kommen. Der Sieg beider Faktoren gegenüber den Krankheitsursachen bedeutet die Heilung der Krankheit. Die Schutzstoffe können noch jahrelang im Körper bleiben. Sie sind streng spezifisch, d.h. sie richten sich nur immer gegen dieselbe Ursache, welche die betreffende Krankheit veranlaßt. Eine künstliche I. (Immunisierung) kann aktiv und passiv herbeigeführt werden (s. Schutzimpfung).

Literatur: A. Dieudonne, Immunität, Schutzimpfung u. Serumtherapie. Lpz., J. A. Barth.

Mühlens.