Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 89

Ikoma, Siedlung in Deutsch- Ostafrika, etwa 100 km östlich vom Spekegolf des Victoriasees, 1386 m ü. M., zugleich Name der umgebenden Landschaft. Der Ort ist eine Nebenstelle des Bezirksamts Muansa, der der ganze Osten des Bezirks sowie das Land zwischen Ruwana (s. Uschaschi) und Mbalageti (s. Ussukuma) bis zum Spekegolf untersteht. Die Verwaltung ist dem Offiziersposten der 14. Kompagnie der Schutztruppe, der im Fort von I. sitzt, übertragen. Die von der Wasserscheide gegen das abflußlose Gebiet an der Ostafrikanischen Bruchstufe herkommenden Grumeti-Mumussi und Bololedi- Orangi vereinigen sich in der Landschaft und fließen als Mumussi in den kleinen Ruwana, der in den Spekegolf mündet. Das ganze Flußsystem hat nur in der Regenzeit Wasser, in der Landschaft I. sogar nur unmittelbar nach Niederschlägen; doch überdauern viele Tümpel auch die Trockenzeit. Obwohl als jährliche Regenmenge des Ortes I. bisher 876 mm (fünfjähr. Mittel) festgestellt wurden, ist die Vegetation ziemlich dürftig, wie in den meisten Teilen des Gebiets östlich des Victoriasees; lichter Steppenwald, Buschsteppe und Grassteppe wechseln ab. Das Gebiet hat ziemlich viel Wild, besonders der Löwe tritt zahlreich auf. Die Landschaft I. ist von Waschaschi (s. d.) dünn besiedelt. Im Osten schweifen wenige Wandorobbo (s.d.) umher. Dies Gebiet würde sich großenteils gut zur Viehzucht eignen. In seinen tieferen, trockneren Teilen ließen sich Stauanlagen zum Festhalten des Wassers ohne große Kosten ausführen. I. wurde bekannter durch die Goldfunde, die seit 1902 zuerst 40 km südöstlich, dann ganz in der Nähe des Ortes an verschiedenen Stellen gemacht wurden. Sie scheinen zum Teil leidliche Aussichten für mittlere Unternehmungen zu bieten. Über das archäische Gestein, Granit und Kristalline Schiefer, erheben sich unregelmäßige Hügel- und Berggruppen aus paläozoischen Schiefern, darunter Itabirite, und Quarziten, die sehr steil einfallen. Auch Diorit tritt auf. Die Goldvorkommen sind an Quarzlinsengänge geknüpft, die häufig O-W streichen, last senkrecht einfallen. 2-4 Stunden n. von lkoma, bis nach den Dörfern Sargidi und Nigoti liegen mehrere derartige Vorkommen, deren eines jetzt mittels eines zehnstempeligen Pochwerks ausgebeutet wird. Eine Gruppe weiterer Vorkommen liegt 30-40 km sö. von I. Hier scheint besonders der Kilima tscha fesa (Kisuaheli: Geldberg), auch Arndtberg genannt, aussichtsreich zu sein. Im SW bei Handajiga am Mbalageti, knapp 30 km ö. vom Spekegolf wurde neuerdings ebenfalls Gold gefunden. Und auch von Ungruimi bis Majita (s. diese) kommt Gold vor. Insgesamt sind in diesen Gegenden jetzt über 160 Schürffelder belegt.

Literatur: F. Tornau, Die Goldvorkommen Deutsch0stafrikas. Ber. über Land- u. Forstwirtschaft, hgg. v. Kais. Gouvt. 11/5, Hdlbg. 1905. - Derselbe, Die nutzbaren Mineralvorkommen Deutsch-Ostafrikas. Monatsber. D. Geol. Ges. 1907. - J. Kuntz, Beitrag zur Geol. der Hochländer Deutsch- 0stafrikas. Zeitschr. f. prakt. Geol. 1909.

Uhlig.