Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 81

Hottentottensprachen. In dem südlichsten Teil Afrikas fanden die europäischen Entdecker neben den Buschmännern (s.d.), die als Jäger das Land durchstreiften, viehzüchtende Nomaden, die sie mit dem gemeinsamen Namen Hottentotten (s.d.) bezeichneten. Ihre Sprache fiel besonders auf durch die seltsamen Schnalzlaute. Kein geringerer als der Philosoph Leibniz interessierte sich für die Sprache, die von jeder bekannten Art menschlicher Rede abzuweichen schien, und auf die man gern Herodots Nachricht anwandte von Afrikanern, die wie die Fledermäuse zirpen. Bleek hat in seinem Werk, Comparative Grammar of South African Languages, Cape Town 1869, die ihm erreichbaren Sprachproben zusammengestellt und völlig einwandfrei erwiesen, daß die H. unter sich nahe verwandt sind. Man unterscheidet vier Formen dieser Sprache: 1. Das Nama in Deutsch- Südwestafrika und der Kapkolonie, die einzige Sprache, die es zu einer kleinen Literatur gebracht hat und die heute noch durchaus lebendig ist. 2. Das Koranna am oberen Oranje, über das wir nur wenige Notizen des Berliner Missionars Wuras besitzen. 3. Der Ost-Dialekt in Griqualand-Ost, von dem nur einige Vokabeln vorliegen und 4. das gänzlich ausgestorbene Kaphottentottisch, dessen Reste man bei Bleek nachsehen kann. Die Sprachen sind keineswegs primitiv, sondern haben eine ausgebildete Formenlehre mit grammatischem Genus und Kasusendungen. Durch die Schnalze und die Tonhöhen erinnern sie aber an die Buschmannsprachen, von denen sie grammatisch ganz verschieden sind. Die einfachste Erklärung für die grammatischen Formen der Hottentottensprachen beruht darin, wie schon Lepsius sah, daß sie mit den nordafrikanischen Hamitensprachen zusammenhängen. Tatsächlich finden sich im abflußlosen Gebiet in Deutsch-Ostafrika heute noch Sprachen, deren Zugehörigkeit zu den Hamitensprachen wahr scheinlich ist, und die andererseits durch die Schnalze und die Syntax an das Hottentottische erinnern. - S. Schnalzlaute und Namasprache.

Meinhof.