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Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 59

Hereroaufstand. Der IL war der schwerste Eingeborenenaufstand im Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika seit der Besitzergreifung, dem sich in unmittelbarer Folge der Hottentottenaufstand anschloß. Er kam ganz überraschend im Januar 1904 zum Ausbruch, während der größte Teil der Schutztruppe infolge der im Herbst 1903 bei den Bondelswarts (s.d.) ausgebrochenen Unruhen sich im äußersten Süden befand. Die Ursache zum H. ist vornehmlich in der freiheitsliebenden, selbstbewußten Art der Herero zu erblicken, die sich mit dem Fortschreiten der Kultur immer mehr in ihrer Unabhängigkeit bedroht fühlten und deshalb zum äußersten Widerstand gegen jeden kolonisierenden Eindringling fest entschlossen waren (s. Herero). Die Erhebung begann mit der ziemlich gleichzeitigen Ermordung aller Weißen im mittleren Schutzgebiet - mit Ausnahme der Engländer, Missionare und Buren -, Plünderung der Farmen und Viehdiebstählen. Die erste Hilfe brachte die aus dem Süden herbeieilende Kompagnie Franke (s.d.), welche die von den Hereros eingeschlossenen Plätze Okahandja und Omaruru entsetzte, sowie das Landungskorps S. M. S. "Habicht".Aus der Heimat wurde sofort ein Marine-Expeditionskorps als erste Verstärkung hinausgesandt, sowie weitere Verstärkungen der Schutztruppe in die Wege geleitet. Trotz einer Reihe glücklicher Gefechte bei Otjihinamaparero am 25. Febr. 1904, bei Onganjira am 9. April 1904 und Oviumbo am 13. April 1904 gelang es mit den zunächst hinausgesandten Streitkräften nicht, den Aufstand zu unterdrücken. Erst nach weiterer Verstärkung und Neugliederung der Schutztruppe unter dem Oberbefehl des Generalleutnants v. Trotha (s.d.) wurde der zähe Widerstand der Hereros in dem Entscheidungskampf am Waterberg am 11. Aug. 1904 gebrochen. Ihre Flucht in das Sandfeld, wo sie dem Tode des Verdurstens preisgegeben waren, vollendete ihr Schicksal. - Noch während ihrer Verfolgung in das Sandfeld brach im Oktober 1904 ein allgemeiner Aufstand der Hottentottenstämme aus. Seine Entstehung ist auf dieselben allgemeinen Ursachen zurückzuführen, die auch den Ausbruch des Hereroaufstandes veranlaßten. Die Niederwerfung dieses Aufstandes war infolge der größeren Kriegstüchtigkeit der Hottentotten bei weitem schwieriger, zeitraubender und verlustreicher. Nachdem sich die Hottentotten anfangs noch in geschlossenen Stämmen zum Kampf gestellt hatten, verlegten sie sich später auf den Kleinkrieg, in dem sie Meister waren. Erst im Dezember 1906 erreichten die Kämpfe durch den Frieden zu Ukamas, in dem sich auch der Stamm der Bondelswarts-Hottentotten unterwarf und die Gewehre abgab, ihr Ende, so daß am 31. März 1907 der Kriegszustand aufgehoben werden konnte. In den beiden Aufständen verlor die Schutztruppe durch Gefechtsverluste und Unglücksfälle 752 Tote bzw. Vermißte - darunter 62 Offiziere, Sanitätsoffiziere, Beamte - und 907 Verwundete - darunter 89 Offiziere usw. Besonders verlustreich für die Truppe waren die Gefechte bei Gr.-Nabas am 2./4. Jan. 1905 und bei Hartebeestmund am 24. Okt. 1905. Krankheiten erlagen insgesamt 659 - darunter 26 Offiziere usw. Der letzte nach dem Friedensschluß noch im Felde stehende Stamm der Simon Copper- Hottentotten wurde am 16. März 1908 in dem Gefecht bei Seatsub inmitten der Kalahari von dem Expeditionskorps des Hauptmanns v. Erckert (s.d.) entscheidend geschlagen und später jenseits der Kalahari auf englischem Gebiet angesiedelt.

Literatur: Großer Generalstab, Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika. - Admiralstab, Das Marine-Expeditionskorps in Südwestafrika während des Hereroaufstandes. Berl. 1907, Mittler & Sohn. - Bayer, Mit dem Hauptquartier in Südwestafrika. Berl. 1909, W. Weichter. - K. Schwabe, Der Krieg in Südwestafrika 1904-1906. Berl. 1907, C. A. Weller.

Lutter.